Die 23-jährige Modestudentin Rubina Aminian schloss sich am 8. Januar einer Gruppe Protestierender in der Nähe ihrer Universität an. Dort wurde sie, mutmaßlich von iranischen Einsatzkräften, erschossen. Von hinten in den Kopf.
Es war der Nachmittag jenes Tages, an dem das Regime das Internet im Iran abschaltete. Informationen, vor allem Videos, gelangen seither nur vereinzelt aus dem Land. Die Umstände von Rubinas Tod wurden zwei Tage später von der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights Watch (externer Link) mithilfe von Berichten aus dem Umfeld der Familie, die wiederum Augenzeugen zitieren, rekonstruiert.
Inzwischen keine Massenproteste mehr
Inzwischen gibt es keine Demonstrationen größerer Menschenmassen mehr auf den Straßen. Zu groß ist die Angst, Widerspruch gegen das Regime mit dem Leben zu bezahlen. Augenzeugen zufolge patrouillieren vermummte Milizen, die sich der Revolutionsgarde zuordnen lassen, auf den Straßen im Iran. Fotos zeigen Männer in schwarzen Pick-up-Trucks, auf denen Geschütze montiert sind.
Unterdessen tauchen immer mehr Videos auf, die die Sorge vieler Iran-Beobachter bestätigen: In der Vergangenheit waren Blockaden der Telekommunikation im Iran Auftakt eines besonders brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstrierende. So lange und umfassend wie dieses Mal war die Blockade noch nie.
Viele mehr Tote befürchtet
Auch das Vorgehen der Einsatzkräfte habe ein bisher ungekanntes Ausmaß erreicht, sagt die Menschenrechtsaktivistin Mina Khani gegenüber BR24. Man kenne diese Brutalität und Einschüchterungstaktik des Regimes im Umgang mit Minderheiten und Andersdenkenden. Aber jetzt, so Khani, "macht das Regime dasselbe in einer großen Dimension mit einfachen Menschen auf der Straße".
Die Rede ist von bisher rund 3.500 getöteten Menschen. Die Befürchtung ist groß, dass es noch mehr werden. Zumal vielen verhafteten Demonstranten die Todesstrafe droht. In der Vergangenheit folgten auf Demonstrationen stets Hinrichtungswellen.
Videos zeigen schwer erträgliches Grauen
Videos, die wohl mithilfe des Starlink-Satellitensystems von Elon Musk nach draußen gelangen, zeigen schwer erträgliche Szenen der vergangenen Tage: Verzweifelte Menschen, die unter den teils schwer entstellten Leichen – einigen wurde Augenzeugen zufolge mit Schrotflinten ins Gesicht geschossen – Angehörige entdeckt haben.
Die Videos zu verifizieren ist aufwendig. Bei weitem nicht alle Videos, die in den sozialen Netzwerken auftauchen, sind vertrauenswürdig oder überprüft. Vieles, das sich nachverfolgen lässt, stellt sich jedoch als glaubwürdig heraus.
Das Video im obigen Post etwa, das auf X gepostet wurde und zeigen soll, wie Sicherheitskräfte in Teheran auf Demonstrierende schießen, wurde vom BR-#Faktenfuchs analysiert. Dabei wurden die umliegenden Gebäude und deren Fassaden verglichen. Zu sehen ist demnach die Polizeistation 126 im Nordosten Teherans. Hinweise auf einen möglichen Einsatz künstlicher Intelligenz wurden nicht gefunden, und auch die Tonspur passt, soweit das nachvollziehbar ist, zum Bild.
Videos decken sich mit Berichten von Augenzeugen
Viel wichtiger aber: Was dort zu sehen ist, also wie Polizeikräfte, möglicherweise vom Dach der Polizeistation aus, auf unbewaffnete Demonstrantinnen und Demonstranten feuern, deckt sich inhaltlich mit Berichten mehrerer voneinander unabhängiger Augenzeugen. Teils sollen am Boden liegende Verletzte regelrecht hingerichtet worden sein. Auch auf flüchtende Personen sei geschossen worden. Sowohl die Quellen des BR als auch Kontakte verschiedener Menschenrechtsorganisationen berichten davon. Amnesty International (externer Link) hat ebenfalls mehrere Videos verifiziert und mit Augenzeugen gesprochen (externer Link).
Die Berichte über das, was seit der Internetblockade im Iran passiert ist, stimmen auch hier überein: Das Regime bekämpft die eigene Bevölkerung mit schwer zu beschreibender Brutalität. Unter den Opfern sind Kinder, Frauen und vor allem viele junge Menschen. So wie die Modestudentin Rubina Aminian. Das Regime tötet diejenigen, deren Wunsch nach einer Zukunft in Freiheit besonders groß ist.
Im Video: Brutaler Kampf um die Freiheit im Iran - Was geht Ihnen dazu durch den Kopf? (Tagesgespräch vom 16.01.2026)
Tagesgespräch: Brutaler Kampf um die Freiheit im Iran - Was geht Ihnen dazu durch den Kopf?
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