Deutsche Landwirte machen sich wegen der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer auf erhebliche Einbußen bei der Ernte gefasst – teils drohen sogar Totalausfälle. Allein in der Hitze- und Dürreperiode Mitte Juni gingen laut Bauernverband rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren. Dies bedeute Einnahmeverluste von 600 Millionen Euro.
Besonders betroffen ist Süddeutschland. Der Bauernverband fordert wegen der "brutal angespannten" wirtschaftlichen Situation vieler Höfe deshalb Soforthilfen der Politik.
Alois Rainer will über Hilfen für Landwirte beraten
Unterstützung bekommt der Bauernverband von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der sich besorgt über die Folgen der extremen Trockenheit zeigt. "Die anhaltende Trockenheit setzt viele Betriebe bereits erheblich unter Druck. Hinter verdorrten Feldern und knappen Futtervorräten stehen Familien, die um ihre Ernte, die Versorgung ihrer Tiere und die Zukunft ihrer Höfe bangen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Wie groß das Schadensausmaß tatsächlich sein wird, werden wir Ende August auf Grundlage der amtlichen Erntedaten belastbar bewerten und gemeinsam mit den Ländern die notwendigen Schritte auf den Weg bringen."
Am Mittwoch habe er im Bundeskabinett über die besorgniserregende Lage auf deutschen Äckern und Weiden berichtet, sagte Rainer weiter. "Wir müssen ressortübergreifend vorbereitet sein."
Bauernpräsident fordert Unterstützung für Landwirte
Der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, hatte angesichts der befürchteten Ernteeinbußen Unterstützung durch die Politik gefordert. Im Sender Phoenix nannte er eine Erhöhung der EU-Düngemittelbeihilfe von 60 Millionen Euro für Deutschland auf 180 Millionen Euro sowie das Vorziehen der Auszahlung von 80 Prozent der EU-Direkthilfen an die Bauern auf Oktober. "Dritte Sofortmaßnahme wäre, die Steuern auf Diesel deutlich zu senken bis mindestens Ende November. Das würde den Bauern kurzfristig helfen und Entlastung bringen."
"Politisch wichtig" sei außerdem eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. So könne für schwierige Jahre ein finanzielles Polster geschaffen werden. Dem ZDF sagte Rukwied am Donnerstagabend, die Bauern bräuchten auch eine Ausnahme beim Mindestlohn.
Opposition: Landwirte nicht allein lassen
Auch die Linke-Agrarpolitikerin Ina Latendorf warnte: "Die Klimakrise frisst sich durch die deutschen Äcker." Wer durch klimabedingte Ernteverluste in existenzielle Notlage gerate, dürfe nicht alleingelassen werden. "Dafür braucht es einen Krisenfonds. Gleichzeitig müssen wir die Landwirtschaft krisenfester machen."
Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden sagte, neben Fragen nach Akuthilfen müssten auch Maßnahmen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft auf den Weg gebracht werden. Ihre Leistungsfähigkeit in Zeiten der Klimakrise entscheide sich an intakten Böden. Wenn Agrarminister Rainer es mit dem Schutz der Branche vor Dürre und Hitze ernst meine, würde er ein Programm "klimafeste Böden" zur besseren Wasseraufnahme und Wasserspeicherfähigkeit starten.
Für Hilfszahlungen bei Extremwetter wie Trockenheit sind laut Landwirtschaftsministerium die Länder zuständig. Voraussetzung für eine Beteiligung des Bundes ist eine Einstufung als "Ereignis von nationalem Ausmaß". Maßgeblich dafür sei die Gesamtbewertung der Schäden und wirtschaftlichen Auswirkungen.
Mit Informationen von AFP und dpa
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