Immer wieder warnen die Sicherheitsbehörden vor russischer Spionage und Sabotage. Deutschlands oberste Strafverfolger wollen nun eine Gruppe mutmaßlicher Agenten vor Gericht sehen: Die Bundesanwaltschaft hat am Oberlandesgericht Stuttgart Anklage gegen zwei mutmaßliche Agenten Russlands wegen Sabotage erhoben.
Die Anklage: Sprengstoffanschläge in russischem Auftrag
Die beiden Ukrainer Daniil B. und Vladyslav T. sollen im Auftrag eines russischen Nachrichtendienstes Pakete mit GPS-Trackern von Köln in Richtung Ukraine verschickt haben. Auf diese Weise sollten Versandrouten und Transportabläufe ausgeforscht werden, um später Pakete mit Brandsätzen abzuschicken, so die Karlsruher Behörde.
Diese hätten sich in Deutschland oder auf dem Weg in nicht von Russland besetzte Teile der Ukraine entzünden sollen. So sollte möglichst großer Schaden entstehen, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu beeinträchtigen, wie die Bundesanwaltschaft ausführte.
"Testpakete" führten auf die Spur der Angeklagten
Ende März 2025 hätten die Männer von Köln aus zwei Testpakete mit aktivierten GPS-Trackern in Richtung Ukraine geschickt, um Versandrouten und Transportabläufe bei dem Paketdienstleister auszuforschen. Durch diese Pakete kamen Polizei und Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen T. auf die Schliche, wie Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) nach der Festnahme der Tatverdächtigen im Mai sagte. Dann habe die Bundesanwaltschaft übernommen.
Vladyslav T. und Daniil B. wurden am 9. und 10. Mai 2025 in Köln und im baden-württembergischen Konstanz festgenommen und kamen in Untersuchungshaft. Ein dritter Tatverdächtiger, Yevhen B. wurde einige Tage später im Schweizer Kanton Thurgau festgenommen und kurz vor Weihnachten ausgeliefert, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Gegen ihn solle ebenfalls "zeitnah" Anklage erhoben werden.
Prozess-Ort Stuttgart
T. und B. wirft die Anklagebehörde geheimdienstliche Agententätigkeit, Agententätigkeit zu Sabotagezwecken und Verabredung zur schweren Brandstiftung vor. Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die beiden Männer entscheidet nun das Oberlandesgericht Stuttgart. Die Bundesanwaltschaft erhob schon Ende Dezember Anklage vor dem dortigen Staatsschutzsenat, wie sie nun mitteilte.
Zweiter großer Russland-Sabotage-Prozess in einem halben Jahr
Es ist nicht der erste Fall von mutmaßlichen Sabotageplänen in russischem Auftrag. Ende Oktober wurde der Russlanddeutsche Dieter S. in München als Haupttäter zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er dem Urteil zufolge für Russland in Deutschland Militärtransporte ausspioniert und die Sabotage von Bahnstrecken geplant hatte. Zu konkreten Sabotageakten kam es nicht, die Täter flogen vorher auf.
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