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Organspenden: Rekord in Deutschland, Minus in Bayern

Organspenden: Rekord in Deutschland, Minus in Bayern

Die Zahl der Organspenden in Deutschland lag 2025 auf dem höchsten Stand seit 2012. In Bayern ist ihre Zahl hingegen rückläufig – und die Wartelisten sind weiter voll.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Eine Organspende kann Leben retten. Hierzulande wie auch weltweit stehen jedoch zu wenig Spenderorgane zur Verfügung. Nun hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) Bilanz gezogen, die für Gesamtdeutschland anders ausfällt als in Bayern.

Knapp zwölf Spender pro einer Million Einwohner

Die genauen Zahlen: Im gesamten Bundesgebiet haben 2025 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet. Das sind 32 mehr als im Jahr 2024 und entspricht 11,8 Organspenderinnen und Organspendern pro einer Million Einwohner. Mit dieser moderaten Steigerung um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist das der höchste Stand seit dem Jahr 2012.

Bayern: Mehr Transplantationen bei weniger Spendern

Im Freistaat ist die Zahl der Organspender sowie der Spenderorgane entgegen der bundesweiten Entwicklung leicht zurückgegangen – ein Trend, der sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet hat. Wie die DSO mitteilte, gab es im Freistaat 143 Organspender (2024: 157) und 454 Spenderorgane (2024: 497). Leicht gestiegen ist in Bayern aber die Zahl der transplantierten Organe, also jene Organe, die bundesweit oder im Ausland entnommen und im Freistaat transplantiert worden sind. 

Mehrzahl der Spenden kommt aus dem Ausland

Insgesamt konnten im vergangenen Jahr 3.020 Organe nach postmortaler Spende über die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant verteilt und hierzulande oder im Ausland transplantiert werden. Dazu zählten 1.495 Nieren, 823 Lebern, 315 Herzen, 308 Lungen, 76 Bauchspeicheldrüsen sowie drei Därme. Bundesweit konnte damit 3.150 schwerkranken Patientinnen und Patienten durch ein oder mehrere Organe eine bessere Lebensqualität oder ein Weiterleben ermöglicht werden.

Vorbild Mitteldeutschland

Die meisten deutschen Organspender gab es laut DSO in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Zahl betrug in diesen drei Ländern zusammengenommen gut 16 Organspender pro eine Million Einwohner. "Wenn bundesweit so viele Organspenden realisiert würden wie in dieser Region, wäre die Situation für wartende Patientinnen und Patienten spürbar besser", sagt DSO-Vorstand Axel Rahmel.

Knapp 8.200 Menschen auf der Warteliste

Trotz des positiven Trends warteten laut DSO Ende des vergangenen Jahres weiter 8.199 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. Als zentrale Herausforderung sieht die DSO, dass in vielen Fällen keine dokumentierte Entscheidung der potenziellen Spenderinnen und Spender vorliegt.

"Die Mehrheit der Menschen in Deutschland steht der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber, hat ihre persönliche Entscheidung jedoch nicht festgehalten", erklärt Rahmel. Fehlt ein erklärter Wille, müssen Angehörige häufig unter zeitlichem und emotionalem Druck stellvertretend entscheiden.

Neue Forderung nach Einführung einer Widerspruchslösung

Vor diesem Hintergrund betont der DSO-Vorstand erneut die Bedeutung einer zu Lebzeiten getroffenen und dokumentierten Entscheidung zur Organspende. Zugleich erneuerte die Stiftung ihre Forderung nach Einführung einer Widerspruchslösung, wie sie im Bundestag seit vielen Jahren diskutiert wird und zuletzt 2024 abgelehnt wurde. Der Bundesrat hatte im Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchslösung mehrheitlich beschlossen. Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach befürwortet eine solche Regelung.

Bei der Widerspruchslösung wäre jeder Bürger ein potenzieller Organspender – es sei denn, er hätte ausdrücklich widersprochen. Auch der Chirurg Matthias Anthuber vom Universitätsklinikum Augsburg hatte sich 2024 im BR für eine solche Lösung stark gemacht: Deutschland sei "eine Insel der Unglückseligen, weil 25 europäische Länder um uns herum die Widerspruchsregelung mit großer Akzeptanz ihrer Bevölkerung eingeführt haben."

Mit Informationen von KNA und dpa

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