Vor allem Rechtsextremisten verbreiten nach Erkenntnissen des Staatsschutzes in einem losen Netzwerk aus Chatgruppen und Messenger-Kanälen Anschlagsfantasien, Propaganda und Gewaltaufrufe, terroristische Anschläge und Amoktaten würden verherrlicht und zur Nachahmung empfohlen. Einer neuen Studie zufolge sind Hunderte junger Deutscher in dieser sogenannten "Terrorgram"-Szene online miteinander vernetzt, etwa über den Dienst Telegram.
Ermittler sehen "gewaltbereite neofaschistische Szene"
"Es handelt sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene", teilten das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg sowie die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München nach der Auswertung von mehr als drei Dutzend Fällen auch aus anderen Teilen Deutschlands mit. Die gewaltverherrlichende Online-Struktur wachse seit Jahren dynamisch.
Junge Männer durchlaufen "Blitzradikalisierung"
Ziel dieser Struktur sei es, mit Gewalt Chaos auszulösen und die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz zu bringen, heißt es in der Untersuchung. Die ausschließlich männliche und sehr junge Szene radikalisiere sich rasch und sei "äußerst gewalt- und terrorbereit".
Die Anhänger seien im Schnitt knapp über 16, einige sogar unter 14 Jahre alt – eine Altersgruppe, die noch keine festen Wertvorstellungen habe und daher besonders anfällig für extremistische Propaganda sei. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach von "Blitzradikalisierungen", die in jedem zweiten Fall weniger als ein Jahr dauerten.
Psychische Auffälligkeiten häufig
Laut der Studie wurde bei mehr als zwei Dritteln der Personen (68 Prozent) eine psychische Erkrankung ärztlich diagnostiziert. Weitere 24 Prozent zeigten deutliche Anzeichen für eine solche Erkrankung. Daher komme dem sozialen Umfeld eine zentrale Funktion als Frühwarnsystem zu. "Die allermeisten Personen sind familiär vernachlässigt und sozial desintegriert", erklärten LKA und Generalstaatsanwaltschaften. Sie setzten darauf, dass niemand genauer hinschaue.
Für die Studie wurden 37 Fälle ausgewertet. Das Dunkelfeld schätzen die Experten auf einen sehr hohen dreistelligen Bereich. Strobl sprach von der weltweit ersten kriminologischen Untersuchung zur "Terrorgram"-Szene.
Mit Informationen von DPA und EPD
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