(Symbolbild) Blick auf Berliner Dom, Rotes Rathaus und Fernsehturm
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Illegale Online-Casinos – nach Recherchen des BR mit internationalen Partnermedien führen die Spuren unter anderem über Malta nach Berlin.
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Illegale Online-Casinos – nach Recherchen des BR mit internationalen Partnermedien führen die Spuren unter anderem über Malta nach Berlin.

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Schampus, Sportwagen, Ski-Resort – Luxus dank illegaler Casinos?

Schampus, Sportwagen, Ski-Resort – Luxus dank illegaler Casinos?

Der hierzulande illegale Sportwettenanbieter Boomerang hat einen prominenten Werbepartner – den AC Mailand. BR-Recherchen zeigen: Boomerang ist Teil eines Netzwerks des Gambling-Konzerns Soft2Bet. Die Spuren führen bis nach Berlin.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Luka Modric und Christian Pulisic – mit Spielern des AC Mailand wirbt die Glücksspiel-Webseite Boomerang-Bet auf Deutsch um Spieler: "Einzahlungsbonus 100 %" für Sportwetten. Es gibt ein "VIP Programm" und "Live Wetten". Boomerang-Bet bezeichnet sich als "regionaler Wettpartner" des italienischen Topvereins. Doch wer für das Online-Casino verantwortlich ist, steht nicht auf der Webseite von Boomerang-Bet. Auch ein Impressum gibt es dort nicht.

Boomerang-Bet ist bei deutschen Spielern offenbar beliebt. Die Seite ist aus Deutschland problemlos erreichbar und spricht die Spieler gezielt auf Deutsch an. Dabei hat Boomerang hierzulande gar keine Glückspiellizenz und ist somit illegal. Eine BR-Auswertung von Daten des Web-Analysedienstes Similarweb legt nahe, dass die Seite von Boomerang-Bet allein im Mai 2026 rund 1,8 Millionen Mal von Deutschland aus aufgerufen worden ist.

Gemeinsame Recherchen des BR mit Investigate Europe (externer Link) und internationalen Partnermedien zeigen: Boomerang-Bet agiert im Umfeld des Glücksspielkonzerns Soft2Bet. Das belegen interne Casinolisten. Und: Die Recherchen führen zu dem russischen Geschäftsmann Ivan K., der in Berlin einen Wohnsitz hat. 2024 veröffentlicht der AC Mailand ein Foto auf seiner Webseite. Dort wird er als einer der Gründer von Boomerang bezeichnet. Ivan K. und der Fußballclub gaben damals ihre Werbepartnerschaft bekannt. Der AC Mailand reagierte auf eine Anfrage der Journalisten dazu nicht.

Verbindung zu Soft2Bet

Ivan K. lässt sich mit weiteren ausländischen Firmen in Verbindung bringen, die ebenfalls mit in Deutschland illegalen Online-Glücksspielen zusammenhängen. So war Ivan K. Mitinhaber der auf Malta registrierten Firma Zircon Gem Holding LTD. Sie besitzt die Markenrechte für Online-Casinos, die ebenfalls auf internen Unterlagen von Soft2Bet erscheinen.

Zudem ist der in Russland geborene Mann bei der ebenfalls auf Malta angemeldeten Firma GS Technologies LTD als Teilhaber aufgeführt. Sie gehört neben Ivan K. zwei weiteren russischen Staatsbürgern und hat für hierzulande illegal agierende Online-Casinos von den Soft2Bet-Listen im Internet Werbung gemacht.

Spur nach Berlin

Als Direktorin der GS Technologies ist in Firmenregistern Kristina L. eingetragen. Sie wohnt mit Ivan K. in Berlin offenbar zusammen. Zumindest stehen beide Namen auf dem Klingelschild eines Nobel-Appartments. Im Leben von Kristina L. geht es grundsätzlich nobel zu: Auf Instagram postet sie Fotos, die sie zum Beispiel auf einem im Comer See liegenden Motorboot zeigen. In Dubai genießt sie einen Drink, mit dem Luxus-Hotel "Burj al Arab" im Hintergrund.

Sie nutzt bei ihren Reisen manchmal einen Privat-Jet, zum Beispiel für den Skiurlaub im französischen Courchevel. "Das Leben ist gut, aber ein gutes Leben ist noch besser", schreibt sie in einem Post auf Social Media.

Luxus-Sportwagen bei Social Media

Und immer wieder taucht ein sehr markanter und teurer Sportwagen auf. Unklar bleibt, wie genau sie dieses Jetset-Leben finanziert.

Ein Kosmetikstudio in einer sehr guten Gegend von Berlin gibt die Adresse und Telefonnummer von Kristina L. als Kontaktmöglichkeit an. Ob sie damit genug Geld verdient?

Nach den Recherchen des BR und internationaler Partnermedien ist die Frau mit weiteren ausländischen Firmen verbunden, die auch auf dem hiesigen Markt mit illegalem Online-Glücksspiel Kunden ansprechen.

Funktion in weiteren ausländischen Firmen

So ist sie Registerauszügen zufolge bei der zypriotischen Firma Dimidium AL Ltd. als alleinige Anteilseignerin eingetragen. Die Firma hält die Rechte an einem guten Dutzend Casino-Marken, die ohne die notwendige Lizenz auf Spieler in Deutschland zielen. Solche Angebote sind in Deutschland illegal. Hinter einigen dieser Casinos steht abermals Soft2Bet.

Soft2Bet und seine Partner haben in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro aus Geschäften mit illegalen Casinos erhalten, so die Recherchen.

Mehr als 100 dieser Online-Casinos sind auch von Deutschland aus erreichbar. Auf Anfrage teilte Soft2Bet mit, das Rechercheteam habe die Geschäfts- und Konzernstruktur falsch und irreführend interpretiert.

Kristina L. hat mit Firmen "seit langer Zeit nicht mehr zu tun"

BR Recherche hat Kristina L. eine detaillierte Anfrage zukommen lassen – unter anderem, ob sie Einnahmen aus illegalem Glücksspiel hat. Ivan K. kontaktierten die Reporter über eine Hongkonger Firma, die er mitgegründet hat. Diese beantwortet keine Fragen und beruft sich in einer kurzen Antwort auf das deutsche Datenschutzrecht, obwohl sie hier gar nicht registriert ist.

Kristina L. reagiert zunächst nicht auf die Anfrage. Als einer der BR-Reporter sie telefonisch erreicht, sagt sie, sie kenne keines der genannten Unternehmen. Mit illegalem Online-Glücksspiel habe sie nichts zu tun.

In mehreren Textnachrichten schreibt Kristina L. kurz danach, die Anfrage enthalte sehr viele Informationen und Behauptungen, zu denen sie im Moment nichts sagen könne. Noch am gleichen Tag stellt Kristina L. ihr Instagram-Profil um. Es steht jetzt auf "privat" und ist nur noch eingeschränkt einsehbar.

Illegales Glücksspiel - Politik fordert Konsequenzen

Die internationalen Recherchen zu Soft2Bet und den damit verbundenen Unternehmen haben mittlerweile auch die Politik auf den Plan gerufen. Sabine Verheyen, Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, sagte: "Illegales Glücksspiel ist kein Randphänomen, sondern ein nahezu industrielles Geschäft, das außerhalb der EU-Regularien geradezu floriert."

Nach ihrer Überzeugung muss die EU-Kommission ihre Möglichkeiten nutzen, damit etwa entsprechende Werbung von Plattformen genommen wird. Außerdem fordert sie eine bessere Kooperation der EU-Mitgliedstaaten, um solche grenzüberschreitenden Praktiken einzudämmen.

Der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck sagte dem BR, die für die Bekämpfung illegalen Glücksspiel zuständige Behörde GGL brauche "die notwendigen Instrumente und einen Rechtsrahmen, der mit einem internationalen, digitalen Glücksspielmarkt Schritt hält". Hier sieht er die Länder in der Pflicht.

Über die Recherche

Dieser Artikel ist Teil der "Soft2bet Files", einer internationalen Recherche über die Glücksspielindustrie, die von Investigate Europe koordiniert wird. Medienpartner des Projekts sind der Bayerische Rundfunk, France 2, Franceinfo.fr, The Irish Times, Il Fatto Quotidiano, Svenska Dagbladet, Shomrim, The Toronto Star, Le Soir, Profil, Publico.es, Publico.pt, Reporters United, Ciren und die Times of Malta.

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