Den Kopf tief gesenkt, die Arme teilweise fest verschränkt - so schlich Miroslav Klose am Freitag über den Rasen von Münster. Die bittere Bilanz des 1. FC Nürnberg: vier Pflichtspiele, vier Pleiten, darunter ein bitteres Pokal-Aus bei Regionalligist Illertissen (5:6 im Elfmeterschießen). "Natürlich wird der Druck durch die Niederlagen nicht weniger", sagte Klose am Freitag nach dem 1:2 (0:2) bei Preußen Münster, fügte dann aber hinzu: "Aber wir dürfen nicht zu hektisch werden." Der Weltmeister von 2014 übt sich in Zweckoptimismus, wo andere schon längst seinen Abgesang hören.
Wie es um den Club steht, zeigen nicht nur die vier Niederlagen. In bisher 433 Pflichtspielminuten lagen die Franken nur drei Minuten in Führung – und das gegen Regionalligist FV Illertissen. Es mangelt an Torgefahr und an Ideen.
Rückendeckung für Klose: "Stärken dem Trainer den Rücken"
So auch in Münster: Der Club hat die erste Halbzeit komplett verpennt. 0:2 lagen die Nürnberger zwischenzeitlich hinten. Rafael Lubach (74.) konnte dann immerhin noch ein Anschlusstor erzielen. Doch der Treffer reicht in der Statistik dieser jungen Saison maximal zur Ergebniskosmetik. Die Mängelliste ist lang - Kloses Interviews sind aktuell Aufzählungen von Dingen, die falsch laufen: "fahrlässig in den Zweikämpfen", "nicht kompakt genug", "kein Kombinations- und Umschaltspiel".
Intern scheint Klose aber weiterhin Rückendeckung zu genießen. "Es liegt an uns Spielern", sagte etwa Julian Justvan und stellte sich vor seinen angezählten Trainer: "Wir müssen uns hinterfragen."
Sportvorstand Chatzialexiou: "Wissen, was wir an Miro haben"
Sportvorstand Joti Chatzialexiou sagte nach dem Spiel ins Sky-Mikrofon: "Wir stärken dem Trainer den Rücken und werden gegen Paderborn am kommenden Freitag wieder gemeinsam alles geben." Chatzialexiou sah sich schon nach der dritten Niederlage dazu gezwungen, seinem prominenten Trainer sein Vertrauen auszusprechen, "denn wir wollen hier etwas aufbauen – mit Miro. Darum wird es wichtig sein, dass wir zusammenhalten", appellierte Chatzialexiou an die ungeduldigen Fans des Club. Sie wüssten auch, "was wir an Miro haben".
Tobias Schweinsteiger: "Sie müssen zusammen dran glauben"
Auch Tobias Schweinsteiger, der zwischen 2020 und 2022 Co-Trainer beim Club war, sagte am Samstag bei "Heute im Stadion" auf Bayern1: "Wer das Umfeld in Nürnberg kennt, der weiß, da kommt schnell sehr viel Kritik auf." Trotzdem dürfe man nicht vergessen, dass der Club jung sei und die 2. Liga "einfach extrem ausgeglichen ist".
Weiter sagte Schweinsteiger: "Im Moment ist es schwer, da müssen sie einfach zusammen dran glauben, daran arbeiten und den Turnaround schaffen. Das haben sie im letzten Jahr aber auch hingekriegt, deswegen bin ich da positiv gestimmt." Auch in der vergangenen Saison startete der FCN schwach und gewann nur eines der ersten vier Ligaspiele - am Ende sicherte sich der Club aber frühzeitig den Klassenerhalt.
Nächste Chance gegen den SC Paderborn
Und auch Klose bleibt aktuell nur der Blick nach vorne: "Es bleibt ja nichts anderes, wie Positivität reinzubringen, daran zu glauben", sagte Klose nach dem Spiel in Münster: "Das lebe ich vor." Er sei "fest davon überzeugt, dass wir das noch drehen können." Die nächste Chance dazu bietet sich am Freitag gegen den SC Paderborn. Bei all der Rückendeckung ist eines trotzdem klar: Nichts hilft so sehr wie Erfolge.
Im Video: Vierte Niederlage in Folge - FCN in der Krise
Joti Chatzialexiou
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