Es war eine Schock-Nachricht für Bad Neustadt im Landkreis Rhön-Grabfeld: Der Automobil-Zulieferer Valeo hat bekannt gegeben, dass er seinen Standort dort komplett schließt. 143 Menschen verlieren ihre Jobs. 40 weitere bekommen das Angebot, nach Erlangen zu wechseln.
Jetzt der nächste Schock für die Belegschaft von Valeo: Das Unternehmen hat die Belegschaft darüber informiert, dass auch in Ebern im Landkreis Haßberge weitere Stellen gestrichen werden. Insgesamt sind 134 Arbeitsplätze betroffen – davon 109 im Bereich Forschung und Entwicklung. Das sagte Andrea Sicker, die zweite Bevollmächtigte der zuständigen IG Metall in Bamberg, auf BR-Anfrage. Die Entwicklungsabteilung in Ebern wird Valeo komplett schließen. 37 von den 109 Betroffenen bekommen Angebote, an den Valeo-Standort Erlangen zu wechseln.
280 Stellenstreichungen binnen zwei Jahren
In den vergangenen zwei Jahren habe Valeo in Ebern bereits 280 Stellen abgebaut. "Der Arbeitsplatz-Abbau läuft kontinuierlich seit etwa sechs Jahren. Von den 1.650 Stellen hat Ebern schon fast 1.000 verloren – und jetzt kommen noch die 134 weiteren Stellen dazu", so Sicker. "Das ist wirklich bitter – zumal wir von der IG Metall und auch der Betriebsrat schon länger auf die Missstände hingewiesen haben. Wir haben neue Produkte für den Standort gefordert, zum Beispiel im Bereich Elektromobilität. Aber aus der Historie heraus ist Ebern vom Verbrennungsmotor abhängig", so die Gewerkschaftssprecherin weiter. Valeo habe da nicht gegengesteuert. Sie kritisiert auch die "Kostenstrukturen, interne Bürokratie und ineffiziente Abläufe" bei Valeo in Ebern.
Beim Abbau der Stellen fürchtet sie, dass wenig Spielraum für "Sozialverträglichkeit" da ist. In der Vergangenheit habe es solche Lösungen gegeben, etwa über Rente. Aber wenn eine ganze Abteilung geschlossen werde, sei das eine neue Dimension. Andrea Sicker hat die Sorge, dass Valeo den Standort Ebern langfristig ebenfalls komplett schließen wird: "Wenn hier keine Entwicklungsabteilung mehr ist, was soll dann noch produziert werden?"
Bürgermeister: Gesamte Stadt Ebern betroffen
Jürgen Hennemann (SPD), Bürgermeister von Ebern, kritisiert das Vorgehen von Valeo: "Ein weiterer Personalabbau bei Valeo im Werk Ebern trifft nicht nur die betroffenen Mitarbeiter, sondern die gesamte Stadt Ebern. Mit dem Wegfall von qualifizierten Arbeitsplätzen geht uns Kaufkraft verloren. Der Industrie-Standort Ebern wird durch solche Entscheidungen stark geschwächt." Hennemann habe kein Verständnis für diese Maßnahmen. Das sei ein Kahlschlag für den Industriestandort, der die Region jahrzehntelang geprägt habe. Er zeigt außerdem Mitgefühl für die Betroffenen. Valeo ist für eine Stellungnahme angefragt.
Die Region Main-Rhön als Industrie-Standort ist seit vielen Jahren in der Krise. Vor allem Schweinfurt ist von einem massiven Stellenabbau in der Industrie betroffen. Tausende Menschen verlieren ihre Jobs oder haben sie bereits verloren, etwa bei ZF, SKF oder Schaeffler. Auch der Automobil-Zulieferer Preh in Bad Neustadt hat bereits Stellen gestrichen. Als Grund nennen die Firmen die allgemein schwierige Situation der Wirtschaft und die Auftragslage, aber auch die Flaute im Bereich Elektromobilität.
Valeo: Weltumspannender Konzern mit Hauptsitz Paris
Valeo hat seinen Hauptsitz in Paris. Der Automobil-Zulieferer stellt weltweit Komponenten und Systeme für Autos und Nutzfahrzeuge her. Etwa Elektromotoren und andere Antriebssysteme, Klimaanlagen oder Teile für Kupplungen und Bremsen.
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