Das Dach eines Lkw mit losen Eisplatten auf der Plane.
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Bei Kälte droht nicht nur Gefahr von glatten Fahrbahnen: Lastwagen können Eisplatten vom Dach fallen. Die müssen vorher entfernt werden.
Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Fabian Bimmer
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Bei Kälte droht nicht nur Gefahr von glatten Fahrbahnen: Lastwagen können Eisplatten vom Dach fallen. Die müssen vorher entfernt werden.

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Bevor Eisplatten auf Lkw-Dächern zum Geschoss werden: Was hilft?

Bevor Eisplatten auf Lkw-Dächern zum Geschoss werden: Was hilft?

Ein Eisbrocken löst sich vom Dach eines Lkw und durchschlägt die Windschutzscheibe des nachfolgenden Fahrzeugs: So etwas passiert immer mal wieder. Fahrer müssen vor dem Losfahren das Fahrzeug von Eis befreien, das ist aber nicht immer so einfach.

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Hundert Liter Wasser und mehr können sich bei längeren Standzeiten oder nachts schnell mal oben auf Lkw-Planen sammeln. Wenn daraus bei niedrigen Temperaturen Eisplatten werden, die vor Fahrtantritt nicht entfernt werden, kann es schnell richtig gefährlich werden. Erst kürzlich wieder durchschlug ein solcher Eisbrocken die Windschutzscheibe eines entgegenkommenden Kleintransporters bei Kasendorf.

Im Zuge dessen schilderten BR24-User in der Kommentarspalte ihre Beobachtungen. Leider passiere das immer wieder, ist mehrfach zu lesen. Gleichzeitig kommentierte "Haubntaucha": "Ich habe heute um 4 Uhr meinen Lkw von Schnee- und Eisplatten befreit. Ist in der Abfahrtskontrolle beinhaltet."

Und doch stellte ein User, dessen Nutzerkonto mittlerweile nicht mehr verfügbar ist, die "rein praktische Frage": "Wie schafft man es überhaupt, den Lkw frei zu bekommen von Eis? (...)" Denn der Nutzer hatte auch die Arbeitsschutz-Vorschriften im Kopf. "Ich fahre keinen Lkw, beruflich aber gelegentlich Transporter und bin mit der Frage immer wieder konfrontiert. Gehört zu den Themen, die ich persönlich dick habe: in der Theorie sicher gerechtfertigte Forderungen, aber in der Praxis kaum anwendbar." Darauf antworteten mehrere User mit Ideen und Hinweisen.

StVO: Fahrzeug muss eisfrei sein

Zunächst einmal: Laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung ist jeder Fahrzeugführer dafür verantwortlich, dass er beim Fahren nicht durch den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt wird – Eis und Schnee müssen also, egal ob bei Lkw, Bus oder Pkw, runter. Auch vom Dach, denn während der Fahrt kann sich etwas von oben lösen, auf die Straße fallen oder die eigene Scheibe bedecken.

Bei großen Fahrzeugen, erst recht bei 40-Tonnern, ist das nicht immer so leicht und ungefährlich machbar. Laut der Berufsgenossenschaft Verkehr muss ein Unternehmen für das Räumen die Ausrüstung stellen, etwa eine geeignete Leiter, Schneeschieber und Besen. Doch wie kommt man sicher auf das Dach?

Mehr Enteisungsgerüste gefordert

Martin Bulheller, Pressesprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, sagt im BR24-Gespräch, es sei bei Verbandsmitgliedern Bestandteil der Ausbildung, wie man die Fahrzeuge schnee- und eisfrei bekomme. Was auf jeden Fall helfe, seien Enteisungsgerüste auf Parkplätzen, etwa an Autobahnen. So auch einer der Hinweise von BR24-User "heidschnucke": "Viele Autohöfe und Speditionen haben extra Gerüste aufgestellt, damit die Fahrer ihren Lkw eisfrei bekommen, sprich die Plane, und das schon seit Jahren."

"Einige Raststätten in Deutschland haben sogenannte Eisfrei-Gerüste, die ähnlich aussehen wie ein Baugerüst am Haus mit Treppe und Geländer", erklärt Bulheller dazu. "Wir sind mit der Autobahn GmbH im Gespräch, um mehr solcher Gerüste an Autobahnen zu bekommen. Aktuell gibt es diese nicht flächendeckend – und wir haben festgestellt: Wo früher welche standen, stehen jetzt teilweise keine mehr." Das habe unter anderem mit Haftungsfragen zu tun.

Dachheizung und Luftschlauch helfen, sind aber kein Standard

Neben solchen Gerüsten ging BR24-User "Historiker" auch auf technische Hilfsmittel im Lkw ein: "Am besten lassen sich Eis/Schnee mit einer Dachheizung entfernen oder mit einem auf dem Dach installierten Luftbalg abschütteln. Es gibt bereits Airbag-Systeme, bei denen man einen Schlauch unter der Plane durchführt und an die Luftanlage des Lkw anschließt. Der Fahrer bläst den Schlauch auf und die Plane wölbt sich nach oben. (...)" Durch die Schräge läuft Schmelzwasser direkt ab, bevor es gefriert.

Wie weit verbreitet diese Airbag-Systeme sind, lässt sich laut Bulheller nicht sagen, weil diese nicht in der Zulassungsstatistik auftauchen. Standardmäßig sind die Dächer auch nicht schräg, weil vier Meter Höhe nicht überschritten werden dürfen. Bei schrägen Flächen wird es zur Seite hin niedriger. "Die vier Meter sind aber auf der kompletten Breite nötig, weil zum Beispiel die Gitterboxen der Auftraggeber im Lkw genau darauf ausgelegt und standardisiert sind, damit jeder Zentimeter Fläche ausgenutzt wird."

Wenn eine solche Sonderausstattung nicht vorhanden ist, geben Dekra und ADAC auch weitere Tipps:

  • Bei einem leeren Anhänger kann man mit einem Besen von innen die Plane wölben.
  • Nach dem Abstellen lässt sich über die Luftfederung der Hinterachse der Auflieger in eine leichte Schräglage bringen.
  • Fahrer nutzen eine extra für den Lkw konstruierte Leiter und ein Standpodest, die nicht wegrutschen können.

Strafen, wenn Fahrzeuge nicht eisfrei sind

Neben dem Dach müssen Lkw- und Autofahrer aber auch dafür sorgen, dass unter anderem Motorhaube, Heck, Kennzeichen, Lichter und Blinker frei sind. Sonst drohen Strafen. Ist das Fahrzeug nicht eisfrei, ist laut ADAC ein Verwarnungsgeld von 25 Euro fällig. Geschieht deshalb ein Unfall, drohten dem Fahrer bis zu 120 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Kommen Menschen zu Schaden, könne eine Haftstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung die Folge sein.

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