In Bamberg hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher einer internationalen Tätergruppierung für Fake-Trading-Plattformen, auch unter dem Namen "Milton-Group" bekannt, begonnen. Dem 50-jährigen israelisch-georgischen Staatsbürger wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Alleine im deutschsprachigen Raum sollen dadurch zwischen 2014 bis 2019 1.000 Personen geschädigt worden sein.
Kapital der Anleger ging vollständig verloren
Der 50-jährige Mikheil B. soll der Staatsanwaltschaft zufolge eine Hauptrolle in der Organisationshierarchie gespielt haben. Den Geschädigten wurde vorgegaukelt, durch die Investition auf digitalen Plattformen hohe Gewinne erzielen zu können. Simulierte Charts sollen dabei zum Einsatz gekommen sein. Das investierte Kapital ging in der Regel vollständig verloren.
Zudem wird dem Angeklagten zur Last gelegt, dass er eine eigens entwickelte Software für Fake-Tradingplattformen entwickeln ließ und sie nachher anderen Gruppierungen angeboten habe. Es soll sich dabei um eine All-in-One-Lösung gehandelt haben, bei der er die komplette IT-Infrastruktur, Software für Kursmanipulationen, die Erstellung einer eigenen Internetseite und Support angeboten habe. Insgesamt wurden dadurch rund 400 Plattformen betrieben, an denen er am Umsatz beteiligt gewesen sein soll.
52 Millionen Euro Schaden im deutschsprachigen Raum
Fast zwei Stunden dauerte die Verlesung der Anklageschrift durch die Staatsanwaltschaft der Zentralstelle Cybercrime Bayern. Weltweit soll durch dieses Betrugsnetzwerk Anlegern ein Schaden von rund 178 Millionen Euro entstanden sein. Der Dunkelfeldschaden ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft um ein Vielfaches höher. Dem Angeklagten selbst wird ein nachgewiesener Schaden im deutschsprachigen Raum, auch bei bayerischen Anlegern, von rund 52 Millionen Euro vorgeworfen.
Die Organisation soll nach Erklärung der Staatsanwaltschaft streng hierarchisch aufgebaut gewesen sein mit sogenannten Dealing-Assistants, Compliance-Managern oder Retention-Managern und klaren Tageszielvorgaben für den Verkauf von Finanzprodukten. Die Callcenter sollen von unterschiedlichen Ländern aus betrieben worden sein, unter anderem wurden Sitze in Albanien, Georgien, Nordmazedonien und der Ukraine festgestellt.
Jahrelange Ermittlungen der Cybercrimestelle Bayern
Die sehr aufwändigen Ermittlungen der Cybercrimestelle Bayern und der Polizei gegen das Betrugsnetzwerk dauerten sechs Jahre. Aufgrund der internationalen Verflechtung der Tätergruppierung und der zahlreichen Geschädigten in vielen europäischen Staaten waren grenzüberschreitende Ermittlungen von Beginn an erforderlich. Hierfür wurde auch ein "Joint Investigation Team" (JIT) gegründet, an dem insbesondere die Strafverfolgungsbehörden aus Albanien und Georgien beteiligt waren.
Am ersten Verhandlungstag vor der Wirtschaftskammer Cybercrime des Landgerichts Bamberg, herrschte sowohl vor als auch im Gerichtssaal eine hohe Sicherheitsstufe mit schwerbewaffneten Polizisten mit Maschinengewehren.
Angeklagter schweigt zu Prozessbeginn
Der Angeklagte ließ sich bis jetzt weder auf eine Einlassung ein, noch hat er Angaben zu Mittätern gemacht oder eine Schadenswiedergutmachung in Aussicht gestellt. Sollte das so bleiben, wird die Staatsanwaltschaft voraussichtlich bis zu zehn Jahre Haft fordern. Die Verteidigung plädiert für eine Strafe unter acht Jahren und macht zugleich auf den schlechten gesundheitlichen Zustand des Angeklagten aufmerksam. Insgesamt sind bis März weitere Verhandlungstermine angesetzt.
Mikheil B. wurde im August 2023 in Armenien festgenommen und im Mai 2024 nach Deutschland ausgeliefert und angeklagt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Fünf Jahre soll er Leiter eines Callcenters in Albanien gewesen sein und später von Georgien aus den Verkauf der Fake-Software für Cybertrading-Plattformen betrieben haben.
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