Polizisten in Bayern setzten immer häufiger sogenannte Taser ein. Bis Anfang Dezember war dies schon mehr als 160 Mal der Fall, wie das bayerische Innenministerium auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Im gleichen Zeitraum 2024 waren es nur rund 100 Taser-Einsätze.
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Ministerium sieht "hohe präventive Wirkung" von Taser
In 131 Fällen wurde der Einsatz der Distanzelektroimpulsgeräte (DEIG) in diesem Jahr angedroht, 32 Mal kam er aus der Distanz auch tatsächlich zum Einsatz, dreimal aus der Nähe. Das Ministerium sieht nach Angaben eines Sprechers "eine hohe präventive Wirkung".
Bei den Einsätzen aus der Distanz sei es "lediglich zu leichten, oberflächlichen Hautverletzungen durch das Eindringen der Pfeilspitzen" gekommen. Zu Ermittlungen, ob der Einsatz der Taser rechtmäßig war, kam es laut dem Ministeriumssprecher nicht.
Taser als Alternative zum Schusswaffengebrauch
Neben der üblichen Ausrüstung der Bundespolizei, zu der Schlagstöcke und Schusswaffen gehören, dürfen Beamtinnen und Beamte seit kurzem flächendeckend auch sogenannte "Distanz-Elektroimpulsgeräte" einsetzen. Der sogenannte Taser ist die Waffe des führenden Herstellers. Taser sollen vor allem dabei helfen, dass Polizisten ihre herkömmlichen Schusswaffen nicht einsetzen müssen. Sie sollen Einsatzkräften ermöglichen, Menschen aus kurzer Distanz kampfunfähig zu machen.
Anders als eine klassische Schusswaffe verschießt der Taser keine Patronen, sondern zwei an dünnen Drähten hängende Pfeile. Sie dringen in die Haut eines Angreifers ein und geben elektrische Impulse ab. Das macht Personen kurzfristig handlungsunfähig.
Deutsche Polizeigewerkschaft befürwortet Taser-Einsatz
Die Polizei in Bayern verfügt nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vom Juni über rund 230 solcher Geräte. Sie würden ausschließlich in Viererteams eingesetzt, um gegebenenfalls Alternativen zum Einsatz eines Tasers zu haben.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft befürwortet den Einsatz, auch für Streifenwagenbesatzungen, die in der Regel nur mit zwei Polizisten besetzt sind. Vor allem dann, wenn die Polizisten auf Menschen schießen, bricht die Taser-Debatte immer wieder los - etwa in München, nachdem dort am Pfingstwochenende eine Messer-Angreiferin in der Nähe der Theresienwiese niedergeschossen und danach gestorben war.
Zahl an Schusswaffengebrauch 2025 ungewöhnlich hoch
Die Zahl der Taser-Einsätze steigt Jahr für Jahr. Nichtsdestotrotz hatten bayerische Polizisten nach Angaben des Landeskriminalamtes in diesem Jahr bis Juni schon in neun Fällen auf Menschen geschossen. In sieben dieser Fälle gab es Verletzte, in zwei Fällen kam es zu tödlichen Verletzungen.
Damit war die Zahl heuer nach einem halben Jahr schon so hoch wie im ganzen Jahr 2024. Damals gab es nach LKA-Angaben neun Schüsse auf Menschen, vier Tote und fünf Verletzte. 2023 waren es fünf Fälle mit einem Toten und drei Verletzten und 2022 neun Fälle mit zwei Toten und vier Verletzten.
Mit Informationen von dpa
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