"Ich bin bereit, ich bin ein Kämpfer und ich freue mich auf die nächsten zwei Wochen" – das sagte Marcus König (CSU), der amtierende Oberbürgermeister Nürnbergs im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Er muss in die Stichwahl gegen seinen SPD-Herausforderer Nasser Ahmed. König bekam 46 Prozent der Stimmen, Ahmed 26,5 Prozent. Dieser bewertet es als positiv, dass er es soweit geschafft hat: "Als ich vor einem Jahr losgelaufen bin, haben viele mir gesagt, man braucht es gar nicht versuchen", so der Chef der SPD in Nürnberg.
Einige Oberbürgermeister müssen in die Stichwahlen
Auch andere Rathauschefs in Mittelfranken können den Wahlkampf an diesem Abend noch nicht beenden. Etwa Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU). Er schaffte es nicht, eine Mehrheit der Stimmen auf sich zu vereinen. Deffner erhielt 38,2 Prozent der Stimmen und verbesserte sich im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl um 2,1 Prozentpunkte. Er muss in zwei Wochen gegen den Fahrschul-Inhaber Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) in die Stichwahl gehen. Eff hatte im ersten Wahlgang 14,3 Prozent der Stimmen geholt.
Auch in Erlangen ist das Ergebnis noch offen: Der amtierende Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) muss in zwei Wochen in die Stichwahl. Laut vorläufigem amtlichen Ergebnis kam Janik auf 29 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer von der CSU, Jörg Volleth, erhielt 35,8 Prozent und liegt damit vor dem Amtsinhaber. "Ich glaube, wir haben in Erlangen gerade herausfordernde Zeiten und da wird natürlich auch dem Amtsinhaber etwas dazugerechnet", erklärte Janik im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.
In Rothenburg ob der Tauber muss Oberbürgermeister Markus Naser (Freie Rothenburg Vereinigung) gegen den Kandidaten der SPD, Christoph Rösch, in die Stichwahl. Laut vorläufigem amtlichen Ergebnis erhielt der parteiunabhängige Amtsinhaber Naser 39,1 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer von der SPD 40,3 Prozent. Der Diplomverwaltungsfachwirt Christoph Rösch von der SPD ist mit 33 Jahren der jüngste der insgesamt drei Kandidaten in Rothenburg. Die Wahlbeteiligung lag hier bei 60,9 Prozent und damit 0,9 Prozentpunkte unter dem Wert bei der Kommunalwahl 2020.
Viele Stichwahlen in den Landkreisen
In den meisten mittelfränkischen Landratsämtern ist noch keine Entscheidung gefallen: Der amtierende Weißenburger Landrat Manuel Westphal von der CSU erhielt im ersten Wahlgang 43,4 Prozent der Stimmen und erreichte keine Mehrheit. Sein Herausforderer Markus Gläser, der von den Freien Wählern, den Grünen, der SPD, der ÖDP und der FDP aufgestellt wurde, kam auf 44,3 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag bei 63,8 Prozent. Für Westphal bedeutet das Ergebnis eine deutliche Verschlechterung zur vorherigen Kommunalwahl 2020, wo er noch 63,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Die Kandidatur Gläsers ist die unmittelbare Folge eines Streits um ein jahrelang geplantes landkreisübergreifendes Naturschutzprogramm für vom Aussterben bedrohte Wiesenbrüter. Landrat Manuel Westphal hatte sich klar gegen das millionenschwere Großprojekt "Chance Natur" positioniert. Mit knapper Mehrheit hatte der Kreistag das Vogelschutzprojekt im Februar 2024 schließlich abgelehnt. Ohne den Streit um das Naturschutzprogramm wäre die parteienübergreifende Kandidatur nicht zustande gekommen, hieß es bei der Präsentation des Kandidaten.
Im Landkreis Ansbach hat Marco Meier von den Freien Wählern für einen Paukenschlag gesorgt. Er holte nach vorläufigem amtlichen Endergebnis 41,9 Prozent der Stimmen (2020, 5,7 Prozent) und tritt in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Jürgen Ludwig von der CSU an. Ludwig erhielt 29,1 Prozent der Stimmen und verlor damit 19,8 Prozentpunkte gegenüber 2020. Ludwig ist seit 2012 Landrat im Kreis Ansbach und hatte bei der Stichwahl 2020 59 Prozent der Stimmen erreicht. Die Wahlbeteiligung im Landkreis Ansbach lag bei 67,8 Prozent. Sollte Marco Meier von den Freien Wählern die Stichwahl gewinnen, wäre er der erste Nicht-CSU-Landrat seit Kriegsende im Landkreis Ansbach.
Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt muss der bisherige Landrat Alexander Tritthart (CSU) in die Stichwahl. Tritthart erhielt nach vorläufigem amtlichen Endergebnis 46,1 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl 2020 hatte er im ersten Wahlgang 56,4 Prozent erreicht. Alexander Tritthart ist seit 2014 Landrat im Landkreis Erlangen-Höchstadt. In der Stichwahl tritt er gegen Karsten Fischkal von den Freien Wählern an. Fischkal, der Bürgermeister in Adelsdorf ist, erreichte 14,7 Prozent der Stimmen.
Wechsel und Beständigkeit in Mittelfranken
Es gibt aber auch Ergebnisse, die eine klare Sache sind: Unter anderem in Fürth, in dem der bisherige Amtsinhaber Thomas Jung (SPD) auch weiterhin die Geschicke der Stadt lenkt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erhielt Thomas Jung 72,1 Prozent der Stimmen. "In Fürth läuft es richtig gut, Wechselstimmung war nicht zu spüren", kommentierte er sein Ergebnis im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Der promovierte Jurist ist seit 2002 der Oberbürgermeister von Fürth und ist damit der dienstälteste Chef einer bayerischen Großstadt. Der 64-Jährige geht nun in seine fünfte Amtszeit. Neben Jung bewarben sich sechs andere Kandidaten um den Posten. Keiner von ihnen konnte mehr als zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinen.
In Schwabach behält Amtsinhaber Peter Reiß (SPD) den Posten des Oberbürgermeisters. Laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis hat er mit 63 Prozent der Stimmen die Wahl deutlich gewonnen. Der 36-Jährige Reiß wird damit seine zweite Amtszeit antreten.
Auch der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) wird noch eine weitere Wahlperiode im Rathaus sitzen. Mit 58,2 Prozent der Stimmen bezwang er seine Herausforderin Anja Schmidt-Wagemann (41,8 Prozent).
Einen Wechsel gibt es dagegen im Rathaus von Weißenburg: Dort wird die Psychologin Eva Reichstadt (SPD) die neue Oberbürgermeisterin. Sie trat zum ersten Mal an und holte gleich 54,5 Prozent der Stimmen. Der bisherige Amtsinhaber und Reichstadts Parteikollege, Jürgen Schröppel, stand nicht mehr zur Wahl.
Auch im Landratsamt Nürnberger Land bleibt alles beim Alten: Armin Kroder von den Freien Wählern wurde heute als Landrat bestätigt. Er erhielt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 51,2 Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl verschlechterte sich sein Ergebnis allerdings deutlich um 13,2 Prozentpunkte.
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