Die Razzia im Augsburger "City Club" wurde vielfach kritisiert. Zeugen und Betreiber des Clubs hatten schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. So seien alle Besucher mindestens bis auf die Unterwäsche kontrolliert worden. Auch der Intimbereich sei abgetastet oder mit Taschenlampen abgesucht worden. Gäste und Mitarbeitende seien über mehrere Stunden hinweg festgehalten worden, zum Teil auch im Außenbereich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Die Gewerkschaft der Polizei Bayern (GDP Bayern) hat nun vor vorschnellen Urteilen gewarnt und betont, dass solche Razzien auch für die Polizisten eine große Herausforderung seien.
Einsatz müsse "ordentlich nachbereitet" werden
Wichtig sei, dass der Einsatz "ordentlich nachbereitet" werde, sagt Florian Leitner, der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Bayern auf Anfrage des BR. Diese Nachbereitung sollte man abwarten, anstatt "vorschnelle Urteile zu fällen", fordert Leitner. Außer Frage stehe für ihn, dass auch Polizeibeamte "nur Menschen sind und in besonders belastenden Einsatzsituationen Fehler machen". Insofern ein solches wie auch immer geartetes Fehlverhalten erkennbar sei, werde dieses aber konsequent und professionell aufgearbeitet: "Unsere Polizei und unsere Justiz arbeiten mit höchster Professionalität und Transparenz", betont Leitner.
Keine "spontane" Razzia
Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei konnte die durchgeführte Razzia in Augsburg erfolgreich abgeschlossen werden. Eine Dokumentation durch die Polizei sei üblich und auch eine Begleitung durch externe Kamerateams sei aus Sicht der Polizeigewerkschaft unkritisch, schon allein aus Gründen der Transparenz.
"Fest steht, dass eine solche Razzia wie in Augsburg nicht einfach spontan und anlasslos erfolgt, sondern weit vorher geplant wird und nur aufgrund dezidierter Hinweise durchgeführt wird", stellt Leitner klar.
"Große Herausforderung für die Polizisten"
Derartige Razzien stellten für die eingesetzten Polizeikräfte eine große Herausforderung dar, weil ein größerer Personenkreis und oft mehrere Objekte gleichzeitig durchsucht werden müssten. So erkläre sich zum einen der hohe Kräftebedarf und das oftmals schlagartige Eingreifen bei derartigen Aktionen. So werde verhindert, dass Beweismittel vernichtet werden, sagt der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Gefunden wurden rund 170 Gramm Drogen, so die Augsburger Polizei bereits in einer früheren Stellungnahme.
Kritik "zweifelsohne eine Belastung" für die eingesetzten Polizisten
Die Kritik am Vorgehen der Polizei stelle "zweifelsohne eine Belastung" für die eingesetzten Kolleginnen und Kollegen dar und sei "unseren Erkenntnissen nach auch nicht gerechtfertigt", betonte Leitner.
Andererseits sei klar, so Leitner, dass die Betroffenen einer Razzia einen solchen Einsatz "stets als belastend" wahrnehmen würden. Daraus aber zu schließen, dass der Einsatz unverhältnismäßig gewesen sei, verkürze die Debatte und werde der Sache nicht gerecht, meint Leitner. Zuvor hatte auch das Polizeipräsidium Schwaben Nord den Einsatz gerechtfertigt und verteidigt.
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