Der Klimawandel setzt die Quellen in den Rhön unter Druck, das zeigt der aktuelle Bericht zur Quellenkartierung 2025.
Der Klimawandel setzt die Quellen in den Rhön unter Druck, das zeigt der aktuelle Bericht zur Quellenkartierung 2025.
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Eva Reichert-Nelkenstock vom BUND Naturschutz Bad Kissingen entnimmt Proben aus einer Rhöner Quelle.
Bildrechte: BR/Mona Böhm
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Eva Reichert-Nelkenstock vom BUND Naturschutz Bad Kissingen entnimmt Proben aus einer Rhöner Quelle.

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Rhöner Quellen unter Druck: Klimawandel bedroht seltene Arten

Rhöner Quellen unter Druck: Klimawandel bedroht seltene Arten

Der Klimawandel setzt die Quellen in der Rhön unter Druck, das zeigt der aktuelle Bericht zur Quellenkartierung 2025. Spezialisierte Tierarten sind dadurch bedroht. Auf bayerischer Seite kommt eine weitere Gefährdung hinzu: die Forstwirtschaft.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Mit einem kleinen Kescher entnimmt Eva Reichert-Nelkenstock Proben aus einem der vielen Quellaustritte im Rhöner Naturschutzgebiet Schwarze Berge. Vorsichtig pickt sie mit einer Pinzette winzige Tierchen heraus. "Hier haben wir ja eine Rhön-Quellschnecke", freut sie sich. Die winzigen Lebewesen sind eine endemische Art, weltweit kommen sie nur hier im Gebiet von Rhön und Vogelsberg vor. Die Tierchen sind ein Zeichen dafür, dass es dieser Quelle noch gut geht. "Sobald irgendetwas nicht mehr passt mit der Gewässergüte, sind die weg."

Klimawandel: Quellen versiegen immer früher

Insgesamt 154 Rhöner Quellen in Bayern, Hessen und Thüringen hat der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen dieses Jahr kartiert und untersucht. Der aktuelle Bericht zeigt: Noch sind die Quellen biologisch vielfältig, aber es gibt Anlass zur Sorge. Die Quellaustritte versiegen immer früher im Jahr, so Stefan Zaenker, Leiter des Expertenteams, das die Quellen untersucht hat.

Durch fehlende Niederschläge können sich die Grundwasserspeicher nicht mehr füllen. Auch starke Niederschläge im Sommer dringen häufig nicht bis zum Grundwasser vor, sondern laufen an der Oberfläche ab oder verdunsten. Dadurch tritt auch weniger Grundwasser in Form von Quellen an der Oberfläche aus.

Spezialisierte Arten bedroht

Das bedroht die Lebensräume spezialisierter Arten wie der Rhön-Quellschnecke oder dem Alpenstrudelwurm. Besonders Arten, die auf kaltes Quellwasser angewiesen sind, werden voraussichtlich unter den veränderten Umweltbedingungen leiden, so Zaenker.

Für viele Lebewesen sind Quellen ein wichtiger Lebensraum, da die Wassertemperatur ganzjährig konstant bleibt. Sie entspricht in etwa der mittleren Jahrestemperatur der Umgebungsluft. Hier im Naturschutzgebiet Schwarze Berge liegt sie bei rund sieben Grad.

Lebensraum zwischen Grundwasser und Quellaustritt

Doch auch durch andere Eingriffe kann der Mensch den Lebensraum Quelle stören. Viele der Kleinstlebewesen ziehen sich nachts ins Grundwasser zurück und kommen nur für die Nahrungssuche an den Quellaustrittsbereich. Diese besonderen Tiere sind bedroht, wenn Quellen baulich eingefasst werden, erklärt Eva Reichert-Nelkenstock von der Kreisgruppe Bad Kissingen des BUND Naturschutz. "Wenn die Tiere hier rausgeschwemmt werden, haben sie keine Chance mehr, zurückzukommen."

Auch Müllablagerungen oder Wildvertritt, beispielsweise durch Wildschweine, die sich im Quellbereich suhlen, kann den Lebensräumen schaden. Umso mehr Quellen versiegen, desto mehr konzentriert sich die Belastung auf die verbleibenden Quellaustritte.

Forstwirtschaft kann Quellen gefährden

Von den in der Bayerischen Rhön untersuchten Quellen waren zudem fast alle durch Forstwirtschaft bedroht. Försterin Dorothee Maier vom Bayerischen Staatsforsten räumt ein, dass hier noch Altlasten bestehen. Das Bewusstsein, auf Quellen Rücksicht zu nehmen, sei erst in den letzten zwanzig Jahren entstanden. Viele Forstwege führen dadurch noch mitten durchs Quellgebiet. Auch Fichten-Monokulturen belasten die Quellen, denn durch herabfallendes Nadelstreu sinkt der pH-Wert des Wassers. Mittlerweile sei man hier sensibilisiert, so Maier. Wenn man bei Forstarbeiten auf eine Quelle stoße, werde dieser Bereich einfach ausgespart.

Doch viele Quellen treten sehr unscheinbar hervor, so Reichert-Nelkenstock. "Wenn man sie nicht kennt, kann man sie nicht schützen." Damit das in Zukunft noch besser klappt, arbeiten die Naturschützer weiter an einer möglichst lückenlosen Kartierung der Quellen.

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