Rund zehn Ferkel liegen um die Muttersau herum und saugen ihre Milch. Die Tiere sind etwa zwei Wochen alt und wiegen rund vier Kilo. Landwirt Johannes Scharl geht zwischen den Boxen hindurch und begutachtet die jungen Tiere. Alles sieht gut aus. Eigentlich. Denn obwohl der Preis für Schweinefleisch zuletzt angestiegen ist, zahlt er im Moment drauf. Für seinen Betrieb im oberbayerischen Eichstätt ist die aktuelle Lage eine finanzielle Herausforderung.
Ställe ausgebaut - finanzieller Erfolg bleibt aus
Bereits 2017 hat Scharl einen neuen Stall für seine Tiere gebaut: mehr Platz, mehr Auslauf, mehr Tierwohl: "Also, prinzipiell das, was sich der Verbraucher wünscht. Aber an der Theke greift er dann doch zum Billigfleisch aus dem Ausland. Das ärgert mich sehr", meint er. Er verkauft seine Ferkel in der Region. Sein Betrieb entspricht Haltungsstufe drei und wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Sogar eine Kühlung gibt es in den Ställen, was sich schon ausgezahlt habe, da die trächtigen Tiere so besser mit den aktuell hohen Temperaturen zurechtkommen. Ein Plus für die Tiere.
Doch finanziell macht sich der Umbau nicht bezahlt. 1,2 Millionen Euro hat der Stall gekostet, noch hat er sich nicht amortisiert. "Und im nächsten Jahr müssen wir den Kredit neu verhandeln. Das wird dann nochmal deutlich teurer, da wir 2017 von den niedrigen Zinsen profitiert haben. Das bereitet mir schon schlaflose Nächte." Besonders das vergangenen Jahr sei schwierig gewesen. "Allzu viel schlechte Jahre kann man nicht ausgleichen", meint Scharl. Andere Betriebe müssten hohe Pacht bezahlen und jetzt auch umbauen, da es neue Richtlinien geben wird. Ein Stall, wie ihn Johannes Scharl hat, käme heute deutlich teurer. Er rechnet deshalb damit, dass viele Betriebe in Bayern aufgeben werden.
Landwirt aus Leidenschaft
Scharl ist Landwirt im Vollerwerb. Rund 70 Arbeitsstunden pro Woche zählt er. Auf seinem Hof bildet er auch aus. Sein Plan ist, den Betrieb einmal an seinen Sohn zu übergeben. Er selbst ist Landwirt aus Leidenschaft und Überzeugung: "Landwirtschaft ist der schönste Beruf der Welt. Es macht Spaß, seinen Traum zu verwirklichen.", meint er. Aber wenn man nicht den Lohn für seine Arbeit bekommt, sei das traurig. Und dauerhaft nicht machbar. Die aktuelle Situation nennt er existenzgefährdend.
Konkurrenz aus Spanien
Das Problem: Die Konkurrenz aus Spanien ist deutlich billiger. Was auch an den anderen Vorschriften dort liegt. Die Haltungsbedingungen in Spanien sind in der Regel unter dem deutschen Niveau. Haltungsstufen wie in Deutschland gibt es nicht. Den Verbraucher interessiere das eher wenig, meint Scharl. Spaniens Schweinefleisch bleibt jetzt in Europa, da der Export nach Asien aufgrund der Afrikanischen Schweinepest derzeit nicht funktioniert. Dadurch drängen große Fleischmengen auf den europäischen Binnenmarkt.
Forderung an die Politik: Mehr Unterstützung
Auch der Bayerische Bauernverband befürchtet, dass viele Betriebe aus finanziellen Gründen und wegen fehlender Perspektive aufgeben werden. Und damit würde die Verlagerung der Schweinefleischproduktion ins Ausland zunehmen. Daher fordert der Verband von der Politik schnelle Hilfen, vor allem um die Liquidität der Schweinehalter zu gewährleisten: beispielsweise günstige Kredite oder steuerliche Entlastungen, außerdem Förderprogramme und eine deutliche Herkunftsbezeichnung.
Aus dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium heißt es auf BR-Nachfrage: "Bayern wird sich auf allen Ebenen mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Schweinehalter die Unterstützung bekommen, die sie jetzt dringend brauchen." Konkrete Maßnahmen nennt das Ministerium allerdings nicht.
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