Mittagszeit im Café Ruffini in München: Viele junge Menschen kommen hierher – auf einen Kaffee, aber auch für einen Teller Pasta oder einen Kuchen. Dabei ist essen gehen teuer geworden. Die Kosten für Lebensmittel sind oft deutlicher als die Inflation gestiegen. Müssen nicht gerade junge Leute jetzt besonders sparen - noch dazu bei steigenden Mietkosten in vielen Großstädten?
Erholung vom Alltagsstress und - Leute beobachten
Das "Nürnberg Institut für Marktentscheidungen" hat per repräsentativer Umfrage herausgefunden, dass junge Leute sich den Restaurantbesuch auch in Zukunft nicht verkneifen wollen. Im Gegenteil: In der Alterskategorie der 18- bis 39-Jährigen sagt etwas mehr als jeder Dritte, künftig sogar häufiger essen zu gehen. "Da ich meistens eh den ganzen Tag an der Uni verbringe und es aber zeitlich auch nicht schaffe vorzukochen, muss ich sagen: Trotz eines relativ geringen Budgets gönne ich es mir dann trotzdem", sagt die Studentin Paula Schwarz.
Viele ihrer Altersgenossen geben an, dass sie eben gern mit Freundinnen und Freunden ausgehen. "Ich glaube, dass auf Social Media auch viel zu sehen ist, was es wo zu essen gibt, und dass die Leute dadurch auch angeregt werden, essen zu gehen", sagt Noah Wagner. Und für seine Altersgenossin Liv Neurath zählt noch etwas ganz anderes: "Es ist ja auch dieses Sitzen und sich Bedienenlassen und People-Watching machen. Das gehört halt alles dazu. Deswegen ist es schon unverzichtbar."
Essen gehen: ein sozialer Anlass
Den Lebensmittelsoziologen Stefan Wahlen von der Justus-Liebig-Universität in Gießen wundert diese Einstellung bei jungen Leuten nicht. Zum einen suchten sie "eine praktische Entlastung im Alltag", da man weniger kochen müsse. Zum anderen seien "Restaurantbesuche auch zentrale Orte für soziales Leben. Hier passiert das Zusammensein mit Freunden, Bekannten und Familie. Von daher ist es nicht nur Essen, sondern auch ein sozialer Anlass", so Wahlen zu BR24.
Die älteren Generationen sind für den Soziologen gesettelt. Jüngere wollten sich oft auch eher draußen darstellen, bevor die eigenen vier Wände ins Spiel kommen: "Wenn Sie jetzt ein erstes Date haben, dann laden Sie diesen Menschen wahrscheinlich nicht zu sich nach Hause ein, sondern sagen, dass man das Essen als einen Anlass nimmt - aber auch als eine Bühne begreift." Gespart wird dann lieber woanders.
Auch vom Einkommen abhängig
Die Nürnberger Umfrage zeigt aber auch, dass es grundsätzlich eher vom Einkommen abhängt, wie häufig ein Restaurant besucht wird: "Insbesondere jüngere Personen mit hohem Einkommen und solche, die bereits häufig auswärts essen, möchten künftig häufiger im Restaurant essen."
Über alle Altersklassen zwischen 18 und 74 hinweg stellt die Studie fest, dass nur etwa jede vierte Person in Deutschland (23 Prozent) meine, "künftig häufiger gastronomische Angebote vor Ort zu nutzen. 41 Prozent sind hier unentschieden und 36 Prozent halten den häufigeren Gastronomiebesuch für unwahrscheinlich." Bei den über 60-Jährigen überlegt nur jeder Zehnte, künftig häufiger auswärts zu essen. Vielleicht nach dem diesmal für Mahlzeiten verwendeten Spruch: Appetit holt man sich woanders, gegessen wird zu Hause.
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