Vor dem Landgericht Memmingen hat der Prozess gegen zwei Landwirte und zwei Mitarbeiter eines landwirtschaftlichen Betriebs in Bad Grönenbach begonnen. Sie sind wegen zahlreicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz angeklagt. Zunächst wurde die umfangreiche Anklageschrift verlesen.
Zahlreiche Tiere in schlechtem Gesundheitszustand
In insgesamt 58 Fällen sollen die Männer zu kranken und behandlungsbedürftigen Rindern keinen Tierarzt gerufen und auch Kühe unsachgemäß mit einem Radlader transportiert haben, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. Damit hätten sie den Tieren länger anhaltende, erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt.
Dies sollen die Angeklagten erkannt, jedoch billigend in Kauf genommen haben – um Zeit und Geld zu sparen. Auf derartige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stehen laut Gericht bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.
Anwälte sehen ausreichende Behandlung erkrankter Rinder
Einer der Anwälte erklärte, man werde im Verlauf des Prozesses zeigen, dass die Vorwürfe nicht den Tatsachen entsprechen. Auch wolle man zeigen, dass bei den Gutachten zum Zustand der Rinder tierärztliche Standards nicht eingehalten worden seien.
Bis 19. Mai sind insgesamt 16 Verhandlungstage angesetzt. 29 Zeugen sind geladen; es gibt eine Sachverständige und vier Privatsachverständige eines Angeklagten.
Prozessbeginn hatte sich immer wieder verschoben
Bei dem betroffenen landwirtschaftlichen Betrieb handelt es sich um einen der Höfe, die ab dem Jahr 2019 im Zuge des sogenannten Allgäuer Tierskandals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatten. Der Fall war im Jahr 2023 bereits einmal verhandelt worden. Damals wurden jedoch lediglich zwei angeklagte Mitarbeiter des Betriebs zu Geldstrafen verurteilt; das nun beginnende Verfahren gegen die verbliebenen vier Angeklagten wurde abgetrennt. Für einen Landwirt wurde bereits ein Tierhaltungsverbot verhängt.
Dass es erst mehr als sechs Jahre nach dem Skandal zur Verhandlung kommt, hat laut Gericht mehrere Gründe. So habe man zahlreiche mit Haft verbundene Fälle vorrangig behandeln müssen, auch die vielen für den Prozess benötigten Verhandlungstage hätten den Beginn verzögert.
"Soko Tierschutz" demonstriert für Verurteilung
Vor Prozessbeginn hatten rund 30 Mitglieder der Organisation "Soko Tierschutz" mit Transparenten für eine Verurteilung der Angeklagten demonstriert. Auf den Spruchbänden war unter anderem zu lesen: "Wer wegschaut, trägt Mitschuld" oder "Gefängnis für Tierquäler – Gerechtigkeit für Tiere". Die Initiative "Soko Tierschutz" hatte mit geheim aufgenommenen Filmaufnahmen den Tierskandal an die Öffentlichkeit gebracht. Im Zuge dessen wurde auch eine ministerielle Spezialeinheit für Kontrollen von Großbetrieben in Leben gerufen.
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