Ein Mann und eine Frau sitzen im warmen Thermalwasser und stellen die scheinbar einfache Frage: "Woher kommt das eigentlich?" Die Kamera schwenkt nach unten – und landet direkt in der Hölle. Dort schuften Arbeiter zwischen Feuer und Rauch, getrieben vom Teufel, um heißes Wasser nach oben in die Therme zu pumpen. Sogar Bürgermeister Jürgen Fundke (Überparteiliche Wählergemeinschaft) mischt mit – als einer der Höllenarbeiter.
Mit dieser Szenerie hat die niederbayerische Kurstadt Bad Griesbach einen viralen Treffer gelandet. Der neue Imagefilm, Anfang Januar auf den Social-Media-Kanälen der Therme veröffentlicht, sammelte innerhalb weniger Tage nach deren eigener Auswertung über eine Million Aufrufe - mit bezahlter Werbung wohlgemerkt. Dazu kommen viele Kommentare: "Oscarreif!", schwärmt User Mian2711. Fantasenf schreibt: "Das ist die beste Werbung, die ich je gesehen habe."
Eine teuflische Idee – dank KI
Tourismusdirektor Dieter Weinzierl blickt selbst staunend auf den Erfolg. "Wir hätten nie gedacht, dass dieser Höllenclip so durch die Decke geht", sagt er. Die Idee dazu stammt von einer regionalen Agentur, die den humorvollen Zugang schon seit einigen Jahren im Kopf hatte. Ihre Ausgangsfrage: Woher kommt das Thermalwasser eigentlich wirklich?
"Vor vier Jahren wäre die Umsetzung technisch kaum machbar gewesen", erklärt Weinzierl. "Da hätte man eine aufwendige Kulisse gebraucht. Heute kann man das mit Künstlicher Intelligenz viel einfacher und günstiger darstellen." Erst die neuen KI-Bildgeneratoren und Videotools machten es möglich, infernalische Szenen realistisch, aber mit Augenzwinkern zu inszenieren. Das Ergebnis: ein Clip mit lokaler Handschrift – gedreht mit Laiendarstellern aus Bad Griesbach und Umgebung.
Mut zur Provokation
Ganz ohne Bedenken ging die Sache nicht über die Bühne. "Am Anfang waren wir skeptisch", erinnert sich Weinzierl. "Passt das zu uns, können wir mit Hölle und Teufel Werbung machen?" Gemeinsam mit Bürgermeister Fundke entschied er sich schließlich für den humorvollen Weg.
Trotz des Erfolgs im Netz gibt es auch kritische Stimmen. Eine Bürgerin habe sich zunächst empört gezeigt, berichtet Weinzierl. "Ihr könnt doch nicht mit Satan werben!", habe sie gesagt. "Aber nachdem sie das Video gesehen hatte, hat sie ihre Meinung geändert."
Hoffnung auf mehr Gäste
Ob die virale Aufmerksamkeit auch spürbare Folgen für den Tourismus bringt, bleibt abzuwarten. Die Zahlen sind nach den Boomjahren vor Corona noch nicht wieder auf Rekordniveau: 2018 zählte Bad Griesbach über eine Million Übernachtungen, 2024 und 2025 blieben die Zahlen unter 880.000. Der gesamte südliche Landkreis Passau lebt stark vom Kurbetrieb.
Auch wenn nun der Höllenfilm vor allem online gefällt – der Tourismuschef setzt darauf, dass mehr Wellness-Fans das echte Thermalwasser genießen wollen statt nur über die digitale Version zu lachen.
Und woher kommt das Wasser nun wirklich?
Eine Frage bleibt am Ende doch: Wo sprudelt das warme Nass tatsächlich her – aus der Hölle oder aus dem Boden? Die Antwort: Das schwefelhaltige, 60 Grad heiße Wasser wird seit über 50 Jahren aus einer Tiefe von 1.500 Metern gepumpt.
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