"Schilder weg – Schilder hin", so hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vergangene Woche zusammengefasst, was auf dem vielbefahrenen 2,5 Kilometer langen Streckenabschnitt am Mittleren Ring als nächstes zu tun ist. Eben das wurde jetzt auch gemacht.
Tempo 50 wieder erlaubt
Nach gut eineinhalb Jahren ist Tempo 30 zwischen der Parkharfe am Olympiapark und der Donnersberger Brücke Geschichte. Die Schilder wurden abmontiert und durch Hinweise auf die neue Höchstgeschwindigkeit ersetzt. Es ist wieder Tempo 50 erlaubt.
Tempolimit vs. Dieselfahrverbot
Zur Vorgeschichte: Damit die Luft sauberer wird, gilt in der Münchner Umweltzone, einschließlich des Mittleren Rings schon seit 1. Februar 2023 ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro 4 und schlechter. Das reiche nicht aus, hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe und des Verkehrsclubs Deutschland entschieden. Der VGH forderte, die Stadt müsse das Verbot auch noch auf Diesel-5-Fahrzeuge ausweiten.
Eben das hat der Stadtrat dann auch beschlossen. Zugleich hatte das Gremium eine Hintertür geöffnet: In einer Ausstiegsklausel hieß es, dass man auf die Verschärfung doch noch verzichten könne, wenn der Stickstoffdioxid-Grenzwert auch anders einzuhalten sei. Der Schadstoff kann Atemwegsbeschwerden sowie eine Vielzahl von Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislaufsystems verursachen.
Grenzwerte werden jetzt eingehalten
Um eine Ausweitung des Fahrverbots auf Autos mit der Abgasnorm Euro 5 zu umgehen, wurde schließlich das Tempolimit eingeführt. Vergangenen Mittwoch hat der Rathauschef dann mitgeteilt, dass es wieder aufgehoben wird. Denn die Stickstoffdioxidwerte an der Landshuter Allee seien gesunken, und die Grenzwerte würden nach einer gutachterlichen Prognose künftig auch bei Tempo 50 unterschritten – zum Beispiel weil immer weniger Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß unterwegs seien.
Stadtrat soll Luftreinhalteplan anpassen
Die Entfernung der Tempo 30-Schilder und Hinweise auf die künftig wieder zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern sind die Konsequenz. In einem weiteren Schritt soll der Stadtrat die entsprechende Aktualisierung des Luftreinhalteplans beschließen. Die Ankündigung der neuesten Maßnahmen löste gemischte Reaktionen aus.
Viele Autofahrer reagierten bei einer BR-Umfrage vergangene Woche erleichtert. Schließlich habe die Geschwindigkeitsbegrenzung immer wieder Staus verursacht. Eine Frau stellte fest: "Ich glaube auch nicht, dass das besser für die Luft ist, ob ich jetzt 30 oder 50 fahre." Die Anwohner zeigten sich dagegen weniger begeistert – nicht nur mit Blick auf die Luftqualität . "Tempo 30" habe auch der Sicherheit der Fußgänger und Radler gedient, befand ein Münchner. Eine andere Anwohnerin fürchtete, dass es jetzt an der Landshuter Allee zudem wieder deutlich lauter werde.
EU plant noch niedrigere Grenzwerte
Unterdessen steht schon eine weitere Verschärfung der Grenzwerte durch EU-Vorgaben im Raum. Momentan muss die Stadt im Jahresschnitt einen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft einhalten. Zuletzt wurden an der Landshuter Allee 38 Mikrogramm gemessen. Die EU will allerdings in absehbarer Zeit weniger als 20 Mikrogramm festlegen. Braucht es dann womöglich doch wieder ein Tempolimit? OB Reiter will da mit Blick auf die Diskussion um Verbrenner-Motoren erst einmal "in aller Ruhe abwarten". Wenn nach wie vor viele Autos mit Verbrenner-Motoren unterwegs sind, "sind 20 Mikrogramm einfach nicht erreichbar".
Nächste Einschränkung am Mittleren Ring
Während Tempo 30 auf der Landshuter Allee nun also Geschichte ist, wird es schon bald eine andere spürbare Einschränkung für den Autoverkehr geben: Die Brücke Landshuter Allee über die Dachauer Straße – ebenfalls ein Teil des Mittleren Rings - wird saniert. Sie habe altersbedingte Schäden, insbesondere an den Übergangskonstruktionen, Stützen, Pfeilern sowie den Rampenbauwerken, teilte die Stadt mit. Die Arbeiten beginnen am 20. Januar und dauern voraussichtlich bis Ende Dezember. Zeitweise wird die Brücke nur einspurig befahrbar sein.
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