Bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind laut jüngsten Erkenntnissen 40 Menschen gestorben und 119 verletzt worden. Das sagte der Kommandant der Kantonspolizei, Frédéric Gisler, bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Die Identifizierung der Todesopfer dauert an.
Unter den Verletzten habe man bislang 113 Menschen identifizieren können. Bei ihnen handelt es sich um 71 Schweizer, 14 Franzosen, elf Italiener sowie vier Serben. Einzelne Verletzte stammten aus Bosnien, Belgien, Luxemburg, Polen und Portugal. Die meisten Schwerletzten sind zwischen 16 und 26 Jahren alt. Von deutschen Opfern ist bislang nichts bekannt.
Viele Verletzte weiter in Lebensgefahr
Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud betonte, dass dies vorläufige Zahlen seien. Noch immer hätten sich einige Betroffene nicht bei den Behörden gemeldet. Zudem sollen sich viele Verletzte in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden. Es gebe eine große Anzahl von Patienten, die intubiert und in ein künstliches Koma versetzt werden mussten, erklärte Fredy-Michel Roten, Direktor der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO).
Wie das Kanton Wallis mitteilte, waren in der Nacht 13 Helikopter und 42 Rettungswagen zur Versorgung der Opfer im Einsatz. 150 medizinische Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten und ihren Transport in Krankenhäuser - unter anderem ins nahegelegene Sitten.
Der Direktor der dortigen Klinik, Eric Bonvin, rechnet für viele Verletzte mit einer langwierigen Behandlung. Zahlreiche Opfer hätten nicht nur äußere Verbrennungen erlitten, stellte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP fest. Sie hätten auch glühend heiße Gase eingeatmet, was bei einigen wahrscheinlich zu inneren Verbrennungen geführt habe. "Das ist eine wirklich katastrophale Situation", bilanziert Bonvin.
Sprühfontänen als Brandursache vermutet
Was die Brandursache angeht, verdichten sich nach Angaben von Generalstaatsanwältin Pilloud die Hinweise darauf, dass ein sogenanntes Tischfeuerwerk Auslöser der Katastrophe war. "Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass das Feuer ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu sehr in die Nähe der Decke gekommen sind", sagte sie. Für diese Analyse seien Videos und Zeugenaussagen ausgewertet worden.
Zur raschen Ausbreitung des Feuers könnte Akustikschaumstoff an der Decke beigetragen haben. Man untersuche dessen Verwendung, es gebe aber noch keine Gewissheit, fügte Pilloud hinzu.
Sicherheitsmaßnahmen der Bar müssen noch untersucht werden
Das Feuer in der Bar mit Hunderten Feiernden brach während der Silvester-Party in der Nacht zum Donnerstag gegen 1.30 Uhr aus. Augenzeugen berichteten, wie sich die Flammen rasend schnell im Untergeschoss des Lokals ausbreiteten. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Flashover, also einer durch Feuer ausgelösten Freisetzung brennbarer Gase, die sich dann heftig entzünden können. Die Gäste versuchten, in Panik schreiend, der Feuerfalle zu entkommen.
Generalstaatsanwältin Pilloud äußert sich auf Nachfrage nicht dazu, ob die Bar über die korrekten Notausgänge verfügte und ob diese auch funktionierten. Auch die Frage, ob die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng war, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war, ließ sie offen. Eine Untersuchung werde zeigen, ob Sicherheitsmaßnahmen eingehalten worden seien.
Regierungsrat des Kantons dankt für Hilfe aus Nachbarländern
Der Regierungsrat des Kantons Wallis, Mathias Reynard, wandte sich an die Angehörigen der Opfer. "Wir sind uns bewusst, welch schwierige Zeit Sie alle durchleben", sagte er. Die Ärzteteams seien bemüht, auch die letzten Opfer noch schnellstmöglich zu identifizieren. Verzweifelte Eltern suchten in den vergangenen Tagen teils über soziale Medien nach ihren vermissten Kindern.
Reynard bedankte sich auch für die Hilfe aus den Nachbarkantonen und dem Ausland. "Die Krankenhäuser des Wallis haben etwa die Hälfte der Patienten übernehmen können", sagte er. Weitere Patienten seien in Kliniken in andere Kantone oder Nachbarländer wie Frankreich und Italien verbracht worden. Auch deutsche Kliniken haben Verletzte aufgenommen. Polen und die EU boten ebenfalls Unterstützung an. "Wir wissen, dass rund 50 Verletzte bereits in europäische Nachbarländer verlegt wurden – in spezialisierte Krankenhäuser für Großbrandverletzungen", so Reynard.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters
Im Audio: Sprühfontäne löst Feuer aus
Menschen versammeln sich in Crans-Montana, die Trauer ist groß.
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