Wegen des demografischen Wandels wird es in Deutschland bald weniger Menschen und vor allem mehr Ältere geben. In zehn Jahren bereits dürfte jeder vierte Einwohner 67 Jahre oder älter sein, wie aus der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung hervorgeht, die das Statistische Bundesamt in Berlin vorstellte. Grund ist vor allem, dass die geburtenstarke Generation der Babyboomer in den Ruhestand wechselt und deutlich kleinere Jahrgänge nachfolgen.
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Insgesamt wird die Bevölkerung bis 2070 voraussichtlich schrumpfen. Bei einer moderaten Entwicklung von Geburtenrate, Lebenserwartung und Zuwanderung würde die Einwohnerzahl den Berechnungen zufolge dann bei 74,7 Millionen liegen. Zum Vergleich: Mitte 2025 hatte die Bundesrepublik rund 83,5 Millionen Einwohner.
Zahl der Rentner wird deutlich steigen
Die Zahl der Menschen im Rentenalter wird demnach bis 2038 um mindestens 3,8 Millionen auf dann mehr als 20,5 Millionen steigen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst auf 25 bis 27 Prozent. Gegenwärtig beträgt dieser 20 Prozent.
Herausforderungen für Sozialsysteme
Gleichzeitig sinkt die Zahl der Menschen im Erwerbsalter, was die Sozialsysteme vor große Herausforderungen stellt. "Bereits jetzt kommen auf 100 Personen im Erwerbsalter 33 Personen im Rentenalter", sagte Karsten Lummer, Leiter der Abteilung "Bevölkerung" beim Statistischen Bundesamt. Im ungünstigsten Fall könne dieser sogenannte Altenquotient bis 2070 auf 61 steigen. "Dann kämen auf eine Leistungsempfängerin oder einen Leistungsempfänger aus den Alterssicherungssystemen weniger als zwei Einzahlende." Selbst eine hohe Zuwanderung kann den Rückgang der Erwerbsbevölkerung nicht aufhalten, die bis 2070 um mindestens vier Millionen Menschen schrumpfen dürfte. "Der Druck auf die Sozialsysteme steigt", sagte Lummer. Darauf müsse die Politik reagieren.
Innerhalb der älteren Bevölkerungsgruppe wird zudem die Zahl der Hochaltrigen ab 80 Jahren ab Mitte der 2030er-Jahre deutlich steigen. Ihre Zahl dürfte von 6,1 Millionen 2024 auf bis zu 9,8 Millionen im Jahr 2050 zunehmen, was den Bedarf an Pflegeleistungen stark erhöhen wird.
Allgemeine Verunsicherung – sinkende Geburtenraten
Gründe für die alternde Bevölkerung sind neben der steigenden Lebenserwartung auch die sinkende Geburtenrate. Den Berechnungen zufolge erlebte Deutschland zwischen 2016 und 2021 eine Phase mit relativ hoher Geburtenhäufigkeit von 1,6 Kindern je Frau. Ab 2022 sank die Geburtenziffer jedoch deutlich und lag 2024 nur noch bei 1,35 Kindern je Frau. Als Gründe führte Referentin Olga Pötzsch unter anderem "eine allgemeine Verunsicherung durch Inflation und Rezession, Knappheit an bezahlbarem Wohnraum und die politische Unsicherheit" an.
Zu einem leichten Bevölkerungswachstum kommt es nur bei zwei der 27 Varianten in den Berechnungen, wenn es einen hohen Wanderungssaldo und eine deutlich steigende Geburtenrate gibt. Insgesamt ergibt sich für 2070 eine Spannweite in der Bevölkerungszahl von 63,9 bis 86,5 Millionen Menschen. "Nur bei hoher Zuwanderung und hoher Geburtenrate läge die Einwohnerzahl Deutschlands 2070 annähernd auf dem heutigen Niveau", erklärten die Statistiker. Bei einem niedrigen Wanderungssaldo könnte die Bevölkerung dagegen auf weniger als 70 Millionen Menschen schrumpfen.
Bevölkerung in Ostdeutschland schrumpft deutlich
Die demografische Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich. Die Bevölkerung in den ostdeutschen Flächenländern wird in allen Szenarien schrumpfen – sie könnte 2070 im Vergleich zu 2024 zwischen 14 Prozent und 30 Prozent kleiner sein. In den westdeutschen Flächenländern könnte die Entwicklung bestenfalls stabil bleiben. Einzig die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen können bei anhaltend hoher Zuwanderung mit einem Wachstum rechnen. Die ostdeutschen Bundesländer sind bereits heute im Schnitt deutlich älter als der Westen.
Mit Informationen von Reuters, epd und KNA
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