Auf Wintersturm "Elli" folgte Tief "Gunda" – und damit eine gefährliche Glatteis-Lage. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab für Bayern am Montag eine Unwetterwarnung heraus.
Tödlicher Unfall auf der A6 bei Nürnberg
Nicht ohne Grund: Mehrere Unfälle ereigneten sich auf der Autobahn 6 nahe Nürnberg. "Es ist hier spiegelglatt", sagte ein Polizeisprecher. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Lastwagen und zwei Autos kam ein Mensch ums Leben. Den Angaben nach kam der Lkw ins Schlingern und geriet auf die linke Fahrspur, wo er zwei Autos erfasste. Der Lkw und eines der Autos fingen Feuer. Die Person auf dem Beifahrersitz in dem Auto wurde eingeklemmt und tödlich verletzt. Der 64-jährige Pkw-Fahrer überlebte schwer verletzt, er wurde vom 54-jährigen Lkw-Fahrer gerettet. Der Fahrer des weiteren Autos konnte sich selbstständig befreien und wurde leicht verletzt.
Massenkarambolage in Oberfranken
13 Verletzte und viel Blechschaden gab es am Abend bei einer Massenkarambolage auf der Bundesstraße 173 bei Lichtenfels in Oberfranken. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Fahrbahn sei "spiegelglatt" gewesen. Die Fahrbahn sei spiegelglatt gewesen. Das benötigte Streusalz konnte nicht an die Unfallstelle gebracht werden, weil die Streufahrzeuge kaum von der Stelle gekommen seien.
In die Massenkarambolage seien 18 Autos, ein Lastwagen und ein Streufahrzeug verwickelt gewesen – zehn Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden. In der Folge hätten sich mehrere weitere kleinere Unfälle mit Blechschaden ereignet. Die B173 wurde im Unfallbereich vorübergehend komplett gesperrt.
Aufgrund der Glätte kam es in Oberfranken laut Polizei zu "zig Unfällen" und erheblichen Verkehrsstörungen sowie teilweise Vollsperrungen. So ging zum Beispiel auf der A9 am Bindlacher Berg bei Bayreuth demnach "gar nichts mehr", Autos kamen zum Teil die Steigung nicht hoch und standen am Standstreifen.
Kollision mit Rettungswagen in Oberbayern
Beim Zusammenstoß eines Kleintransporters mit einem Rettungswagen wurden in Oberbayern fünf Menschen verletzt: die drei Insassen im Transporter sowie die beiden Sanitäter aus dem Rettungswagen. Die Sanitäter kümmerten sich um die verletzten Männer aus dem Kleintransporter, wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mitteilte. Dann seien alle fünf Unfallopfer in Krankenhäuser gebracht worden. Der 23 Jahre alte Fahrer des Kleintransporters war laut Polizei bei winterlichen Straßenverhältnissen nahe Palling (Landkreis Traunstein) auf die Gegenfahrbahn geraten und gegen den Rettungswagen geprallt. Beide Fahrzeuge seien von der Straße geschleudert worden.
Auf der Bundesstraße 305 bei Schneizlreuth im Landkreis Berchtesgadener Land rutschte ein Lastwagen von der Fahrbahn und blieb an einem Abhang über einem Bach in Bäumen hängen. Da das Fahrzeug abzustürzen drohte, verließ der Fahrer aus Angst nicht das Führerhaus, wie das BRK berichtete. Der 40-jährige Fahrer setzte einen Notruf ab. Einsatzkräfte sicherten den Lastwagen mit Stahlseilen und zogen ihn zurück auf die Straße.
Kleinwagen kommt auf zugefrorenem See zum Stehen
In Bodenwöhr im Landkreis Schwandorf ist ein 20-Jähriger mit einem Kleinwagen von der Straße gerutscht und auf dem zugefrorenen Hammersee zum Stehen gekommen. Wie die Polizei auf BR-Nachfrage mitteilte, konnte der junge Mann aussteigen und sich vom Eis retten. Das Auto sei nicht eingebrochen. Dieses sollte mit einem Kranwagen vom Eis gehoben werden.
Gefährliche Glätte
20 Flugausfälle in München
Am Flughafen München blieben die wetterbedingten Einschränkungen überschaubar: Rund 20 der 736 geplanten Starts und Landungen wurden annulliert, wie ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk sagte. Zwischen 11 und 13 Uhr habe es zwar Eisregen und gefrierende Nässe gegeben. Um 15 Uhr sei aber bereits wieder "warmer Regen" gefallen. Für den Abend werden keine weiteren Probleme erwartet. Am Airport Nürnberg waren für Montag 69 Starts und Landungen geplant – davon waren am Vormittag bereits vier Flugbewegungen annulliert.
Bei der Deutschen Bahn (DB) blieben bis zum Vormittag größere Beeinträchtigungen durch das Wetter aus. Bisher laufe der Verkehr weitgehend ungestört, sagte eine Sprecherin. Auf der Webseite der Bahn (externer Link) heißt es aber: "Wegen gefrierenden Regens kann es am 12.01. in der Mitte, im Süden und im Südosten zu Verspätungen und Ausfällen kommen."
Präsenzunterricht fiel teils aus
Viele Schüler konnten im Schnee toben, statt im Klassenzimmer sitzen zu müssen. Wegen Glatteisgefahr fiel an vielen Schulen am Untermain der Präsenzunterricht aus. Betroffen waren vor allem die Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg in Unterfranken. In Oberfranken endete der Präsenzunterricht um 13 Uhr. Auch in den fränkischen Landkreisen Nürnberger Land, Rhön-Grabfeld, Haßberge und Bad Kissingen entfiel der Unterricht teilweise, im Landkreis Deggendorf wurde der Nachmittagsunterricht abgesagt, für den Landkreis Straubing-Bogen empfahlen die Behörden dies. Schon am Freitag war in vielen Schulen - vor allem im Osten Bayerns - der Präsenzunterricht abgesagt worden.
Schulschließungen bedeuten aber nicht unbedingt einen schulfreien Tag. Die Schulleitungen entscheiden eigenständig, ob der Unterricht etwa per Videokonferenz erfolgt oder Arbeitsblätter zu bearbeiten sind.
Weiter gefrierender Regen möglich
Laut Deutschem Wetterdienst ist ab den Abendstunden von der Rhön über das östliche Franken bis hin nach Niederbayern länger anhaltender, gefrierender Regen möglich. Erst am Dienstagvormittag soll sich die Lage entspannen. Meteorologe Stefan Laps vom ARD-Wetterkompetenzzentrum betonte, dass die Gefahr noch nicht gebannt ist. Besonders für den Berufsverkehr am Montagabend müsse man in folgenden Regionen vorsichtig sein: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern sowie östliches Oberbayern. Dort seien die Temperaturen weiterhin unter dem Gefrierpunkt, weshalb Regen auf dem gefrorenen Boden Glatteis auslösen könne.
Erhebliche Lawinengefahr
Auch Wintersportler sollten weiter vorsichtig sein. In den bayerischen Alpen herrscht erhebliche Lawinengefahr. Das Hauptproblem ist der Triebschnee. Schneebrettlawinen können in eingewehten Bereichen bei geringer Zusatzbelastung ausgelöst werden.
Im Video: Wie lange die Glatteis-Gefahr noch anhält
Glatteis durch gefrierenden Regen
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!


