Nach amerikanischen Androhungen eines militärischen Eingreifens im Iran ist die Führung des Landes offenbar zu Verhandlungen mit den USA bereit. "Der Iran will verhandeln", sagte US-Präsident Donald Trump an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One vor Journalisten. Die US-Regierung sei aktuell im Gespräch mit Teheran, um ein Treffen zu vereinbaren, so Trump. Er sei zudem in Kontakt mit Führungsfiguren der iranischen Opposition.
Zuvor hatte Trump einige "sehr drastische Optionen" angedroht, als Reaktion auf Berichte über das brutale Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen Demonstranten. Angesichts dessen, was im Iran passiere, müssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln, warnte Trump. Worüber der Iran mit den USA Gespräche führen möchte, führte er nicht aus.
Trump will Demonstranten mit Satelliten-Internet von Musk helfen
Der US-Präsident erwägt offenbar auch, die Demonstranten im Iran mit Satelliten-Internet zu unterstützen. Er wollte noch am Sonntag (Ortszeit) mit Tech-Milliardär Elon Musk telefonieren, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt.
Irans Staatsführung hat den Internetzugang für die Menschen fast vollständig gesperrt, auch Telefonverbindungen schienen teils nicht mehr zu funktionieren. Damit will sie die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Zudem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Proteste so unterdrückt werden.
Weitere Massenproteste im Iran
Unterdessen reißen die Massenproteste nicht ab, obwohl offenbar mit massiver Gewalt dagegen vorgegangen wird. Trotz der seit Tagen andauernden Internetsperre dringen Videos nach außen, die große Menschenmengen etwa in der Hauptstadt Teheran und in Maschhad im Osten des Landes zeigen.
Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs Mohammed Reza Pahlavi, hat in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung zur nächsten Phase des Aufstands aufgerufen, "um die Islamische Republik zu stürzen". Neben der Besetzung zentraler Straßen in Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Staatspropaganda und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, "legitime Ziele", erklärte Pahlavi auf der Onlineplattform X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, inwieweit man im Iran seine Forderungen zu sehen bekommt.
Zahlreiche Todesopfer seit Beginn der Proteste
Die Proteste im Iran hatten sich Ende Dezember am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet.
Rund 10.700 Menschen seien festgenommen worden, berichtet das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. 483 Demonstranten seien getötet worden. Insgesamt seien bisher 544 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder sowie 47 Sicherheitskräfte. Die Angaben der Organisation ließen sich unabhängig nicht überprüfen. Anderen Quellen zufolge gibt es bereits mehr als 2.000 Todesopfer. Die Aktivisten sprachen von einem "Massaker" des Regimes, um die Proteste zu unterdrücken.
Irans Parlamentspräsident warnt "Feinde"
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warf der Protestbewegung vor, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die "Feinde" müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte er laut Übersetzung des Propagandakanals Press TV.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte ein Ende der staatlichen Gewalt gegen die Demonstranten. Er sei "schockiert" angesichts der Berichte, schrieb er auf X und forderte "maximale Zurückhaltung" der Sicherheitskräfte.
Mit Informationen von dpa
Zum Video: ARD-Korrespondentin Katharina Willinger zur aktuellen Lage
Was steckt hinter den Protesten im Iran? ARD-Korrespondentin Katharina Willinger ordnet die Hintergründe ein.
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