Screenshot: Klobige Monitore und Kasseten: "Routine" entführt Spieler auf eine verlassene Mondstation im Retro-Look der 80er Jahre.
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Klobige Monitore und Kasseten: "Routine" entführt Spieler auf eine verlassene Mondstation im Retro-Look der 80er Jahre.
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Klobige Monitore und Kasseten: "Routine" entführt Spieler auf eine verlassene Mondstation im Retro-Look der 80er Jahre.

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Computerspiel "Routine": Horror auf dem Mond

Computerspiel "Routine": Horror auf dem Mond

Gut Ding will Weile haben: Nach 14 Jahren Entwicklung ist das Spiel "Routine" endlich da. Es entlarvt den technischen Zukunftsoptimismus der 80er Jahre als gruseligen Irrtum und schickt Spieler auf einen beklemmenden Horrortrip ins Ungewisse.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Wir wachen auf in einem Raum, der wirkt wie eine Isolationszelle aus einem alten Science-Fiction-Film. Neonröhren flackern, irgendwo surrt etwas, der Boden ist übersät mit Batterien, zerknülltem Papier und Kabelresten. Dazu überall klobige Röhrenmonitore, Magnetkarten, Videobänder, Kassettengeräte. Routine entführt uns in eine Zukunft, wie man sie sich in den 80ern vorgestellt hat, eingefroren auf dem Mond.

Orientierungslos im Dunkeln

Wir sind ein Softwareingenieur von der Erde, eingepackt in einen Raumanzug. Schnell wird klar: In diesem Horrorspiel müssen wir uns alles selbst erarbeiten. Es gibt keine Karte, keine Hinweise, keinen Pfeil, der sagt, wo es langgeht. Um nach und nach herauszufinden, warum niemand mehr hier ist, müssen wir unseren Körper einsetzen: Wir stellen uns auf Zehenspitzen, um Schalter zu erreichen; lehnen uns vorsichtig um Ecken, um zu checken, ob sich dort nicht ein Roboter im Dunkeln versteckt; kriechen unter halb blockierten Türen hindurch, weil nichts mehr so funktioniert, wie es funktionieren soll. Und so tasten wir uns durch die Station wie durch einen gigantischen, maroden Körper aus Metall.

Puzzleteile einer Katastrophe

Schon kurz nach unserem Aufwachen gelangen wir in eine Weltraum-Mall mit verlassenen Geschäften und flackernden Arcade-Automaten. In den Terminals lesen wir Mails von Menschen, die sich über Kinder beschweren, die mit Passcodes herumspielen; Nachrichten über einen gemeinsamen Filmabend; Berichte über ein Mondbeben, das die Sicherheitsprotokolle durcheinandergebracht hat. Und immer öfter lesen wir von Kollegen, die verschwunden sind. Diese Hinweise ergeben kein klares Bild, aber sie sind einzelne Teile eines Mosaiks, das wir hier zusammenfügen müssen.

Der mechanische Schrecken

Unser wichtigstes Werkzeug ist das C.A.T., das Cosmonaut Assistance Tool. Ein unscheinbares Gerät, das Dateien entschlüsselt, Systeme neu startet und die Roboter für einen Moment betäubt. Diese Maschinen sind der eigentliche Schrecken dieser Station. Einige stampfen laut und rhythmisch durch die Gänge, andere stehen komplett reglos in dunklen Nischen, bis wir zu nah kommen. Dann erwachen sie mit einem knarzenden, zirpenden Motorgeräusch, während ihre Laser-Scanner in der Luft tasten.

Echo einer gescheiterten Utopie

Je länger wir durch diese Gänge streifen, desto mehr entfaltet das Spiel seine eigentliche Wirkung. Denn Routine ist im Grunde eine Zeitreise in eine gescheiterte Utopie. Space Shuttles, Heimcomputer und das "Ende der Geschichte" schon in Sichtweite: Die 80er waren das Jahrzehnt des Aufbruchs, damals war der Glaube an Raumfahrt und Digitalisierung ungebrochen, alles schien möglich. In diesem Spiel hallt dieser Optimismus nur noch als verzerrtes Echo durch die leeren Gänge. Wir kämpfen hier nicht nur gegen Roboter, sondern irren durch die Reste eines geplatzten Traums. Routine entlarvt den Optimismus der 80er als Hybris. Dieses kleine, kluge Spiel präsentiert uns die Quittung für den Irrglauben, das All gehöre uns. Hier draußen sind wir keine Eroberer, sondern verletzliche Eindringlinge im Unbekannten. Was bleibt, ist ein atmosphärisches Kammerspiel aus Magnetband und Mondstaub, das im Kopf weiter flimmert, lange, nachdem wir den Controller weggelegt haben.

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