Ganz offiziell heißt der 6. Januar in allen Konfessionen "Epiphanias – Fest der Erscheinung des Herrn". Dabei heißt "Epiphania" nichts anderes als "Advent" – Ankunft. In den westkirchlichen Traditionen – der katholischen und den evangelischen Kirchen – wird traditionell die Anbetung des Christuskinds durch die drei Weisen erzählt, gefeiert und in vielen Bräuchen nachgespielt, so ziehen die Sternsinger in diesen Tagen von Haus zu Haus.
Die ostkirchlichen Traditionen teilen sich: Einige, wie die russisch-orthodoxe oder serbisch-orthodoxe Kirche, feiern erst am 6. Januarabend beziehungsweise am 7. Januar Weihnachten, sie haben die Kalenderreform im 16. Jahrhundert nicht übernommen. Andere, etwa die griechisch-orthodoxe oder rumänisch-orthodoxe Kirche, feiern Weihnachten wie die Westkirchen am 25. Dezember. Am 6. Januar wird dann der Taufe Jesu zu Beginn seines Wirkens als erwachsener Mann gedacht.
Wasserweihe im Winter
Viele dieser orthodoxen Kirchengemeinden begehen den Epiphanias-Tag mit der "Großen Wasserweihe". Die Zeremonie ist seit dem vierten Jahrhundert belegt und damit wahrscheinlich älter als die Tradition unseres heutigen Weihnachtsfestes.
Zur "Großen Wasserweihe" versammelt sich die Gottesdienstgemeinde an einem Fluss, See oder am Meer. Dort segnet der Priester das Wasser und wirft ein Kreuz dreimal ins Wasser. Gläubige springen hinterher ins kalte Wasser, um es wieder zurückzuholen. Auch in der Landeshauptstadt München wird dieses Jahr am 6. Januar von der Ludwigsbrücke aus dreimal ein Kreuz in die Isar geworfen.
Segnung der ganzen Schöpfung
Das Kreuz steht dabei stellvertretend für Jesus, erklärt Archimandrit Georgios Siomos von der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in München im BR-Gespräch: "Das Eintauchen des Kreuzes in das Wasser als symbolische Nachahmung, als Handlung der Taufe Christi ist eben nicht nur das Segnen der Menschen, sondern auch der Schöpfung. Dieser Segen wird weitergetragen von dem Fluss Isar in das ganze Land Bayern."
Da es in vielen Ländern mit orthodoxen Christen am 6. Januar eisig kalt ist, gelten Gläubige, die ins Wasser springen, als besonders mutig. In vielen Gemeinden ist die Wasserweihe mittlerweile auch ein ökumenisches Fest, zu dem Vertreter anderer Konfessionen und Religionen eingeladen werden sowie Interessierte, die sich den Sprung ins kalte Wasser ansehen wollen.
Flüsse und Seen müssen oft aufgebohrt werden
Da das Untertauchen im Wasser Segen verspricht, gehen nach der Großen Wasserweihe viele Erwachsene in den Fluss oder baden ihre Babys darin. In Ländern wie Russland oder der Ukraine, in denen es am 6. Januar besonders kalt ist, kommt es schon mal vor, dass die Seen und Flüsse zugefroren sind. Dann wird ein Loch in Form eines Kreuzes in die Eisdecke gebohrt und dort das Kreuz im Wasser versenkt. Auch hier springen oft Gläubige dem Kreuz hinterher und holen es zurück.
In Deutschland ist der Dreikönigstag am 6. Januar nur in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ein gesetzlicher Feiertag.
Am 6. Januar wird in manchen orthodoxen Gemeinden ein Kreuz ins Wasser geworfen. Dieses wird dann von Gläubigen herausgeholt. (Symbolbild)
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