Was waren das für Zeiten, als ein Hamburger noch einen Euro kostete, das kleine Softgetränk dazu ebenfalls. Diese Preise sind nun schon länger passé, doch Anfang Januar passierte etwas in der Fast-Food-Branche, was einige kaum für möglich hielten. Einige Unternehmen kündigten Preissenkungen an, als Reaktion auf die Mehrwertsteueranpassung von 19 auf sieben Prozent auf Speisen.
McDonalds etwa teilte mit, dass das Unternehmen die unverbindliche Preisempfehlung für fünf beliebte Menüs "spürbar" gesenkt habe. Das Happy Meal zum Beispiel soll nun 50 Cent weniger kosten als noch im Dezember, nämlich 4,49 Euro, das große Big Mac Menü gibt es laut unverbindlicher Preisempfehlung für einen Euro weniger als bislang, und zwar für 9,99 Euro. Auch Kentucky Fried Chicken wolle die Mehrwertsteuersenkung "in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen" und "punktuell" weitergeben, hieß es auf BR24-Anfrage. Das betreffe etwa die Hot Wings oder auch die Maiskolben. Die Schnellrestaurantkette Nordsee will, wie sie BR24 mitteilte, "spezielle Rabattierungen und attraktive Angebote" anbieten: Das Backfisch Menü sei seit Anfang Januar zu einem einheitlichen Preis von knapp 8,99 Euro zu haben. Zuvor habe es zwischen 9,99 Euro und 11,49 Euro gekostet.
Gastronomiebranche zurückhaltend bei Preissenkung
Im Vergleich dazu scheint die Bereitschaft der gesamten Gastronomiebranche zu Preissenkungen eher gering: Einer aktuellen Umfrage des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Bayern) zufolge wollen derzeit nur 8,5 Prozent der befragten Gastronomen in Bayern die frei gewordenen Mittel dazu nutzen, ihre Preise zu reduzieren. Stattdessen möchten viele Gastwirte primär die Entlastung durch die neue Mehrwertsteuer nutzen, um höhere Personalkosten zu decken, mehr Investitionen zu tätigen – oder überhaupt erstmal die eigene Wirtschaftslage zu stabilisieren.
Wer auf diese Umfragewerte blickt, fragt sich: Ist die Systemgastronomie großzügiger bei der Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Endkunden als einzelne Gastwirte – und falls ja, wieso? Drei Punkte helfen bei der Einordnung:
1. Fast-Food-Ketten setzen auf Marketingeffekt
Erstens: Die Preissenkung habe eine enorme Marketingwirkung für Fast-Food-Ketten, erklärt der Volkswirtschaftler Matthias Firgo von der Hochschule München. Denn: Die Schnellrestaurantketten konkurrierten hauptsächlich über den Preis. "Viele Kunden wissen genau, was ein Burger oder eine Pommes bei den verschiedenen Ketten kostet", so Firgo. Der Professor für Betriebsführung und Organisation im Versorgungsmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Rupert Gramß, ergänzt: Die Preissenkung könne auch als Reaktion auf die harsche Kritik an der Mehrwertsteuersenkung verstanden werden, zum Beispiel als Food Watch die Maßnahme als millionenschweres Steuergeschenk an die Fast-Food-Ketten bezeichnete (externer Link). Die Botschaft der Ketten ist laut Gramß klar: "Wir geben die Reduzierung weiter", und das schaffe Vertrauen.
Bei einzelnen Wirten sei dieser Marketingeffekt längst nicht so groß wie bei Restaurantketten, erklärt Matthias Firgo. Und zudem geht bei vielen Gaststätten der Wettbewerb über Qualität, Ambiente und Lage, da sind sich die beiden Experten Gramß und Firgo einig.
2. Systemgastronomie profitiert von Größe und Standardisierung
Zweitens: Restaurantketten mit vielen Filialen profitieren von ihrer Größe: Zwar treffen die gestiegenen Einkaufspreise, Energiekosten und Lohnkosten die gesamte Gastronomiebranche – egal, ob es das Wirtshaus um die Ecke ist oder die Fast-Food-Filiale an der Autobahn. Aber: "In der Systemgastronomie gibt es viele standardisierte Prozesse, die effizienter gestaltet werden können", erklärt Rupert Gramß von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Außerdem hätten Restaurantketten mehr Marktmacht beim Einkauf und könnten besser skalieren, sodass sie die Kosten pro Einheit – also pro Burger, Fischbrötchen oder Portion Chicken Wings – niedrig halten könnten. Hinzukomme, dass Ketten ihre Preise sehr datengetrieben steuerten, erklärt Gramß, und deshalb eine genauere Mischkalkulation vornehmen könnten. Dass also einzelne, beliebte Produkte nun billiger werden, könnten Fast-Food-Ketten über die Preise der restlichen Produkte auffangen.
3. Wie viel der Burger am Schluss kostet, hängt von der Filiale ab
Zu guter Letzt: Wie viel der Burger oder die Pommes am Ende wirklich kosten, hängt davon ab, wo man sie kauft. Denn die meisten Fast-Food-Läden sind sogenannte Franchiseunternehmen. Die Zentrale gibt nur unverbindliche Preisempfehlungen ab – den letzten Preis bestimmen aber die Franchise-Nehmer, also die Filialen vor Ort. Das betonen unter anderem Kentucky Fried Chicken, McDonalds und auch Burger King gegenüber BR24. Immerhin: In der McDonalds-Filiale am Münchner Stachus hält man sich brav an die Preisempfehlung der Marke: 4,49 Euro kostet hier das Happy Meal. Und keine Sorge: Da ist trotz Preissenkung auch nach wie vor noch das Spielzeug mit dabei.
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