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Arbeitslosigkeit · Negativ-Rekord bei Job-Suchenden
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Arbeitslosigkeit · Negativ-Rekord bei Job-Suchenden

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Aiwanger bei Kontrovers: "Wir verlieren Wettbewerbsfähigkeit"

Aiwanger bei Kontrovers: "Wir verlieren Wettbewerbsfähigkeit"

Die Lage der Arbeitslosen in Bayern hat 2025 einen Tiefpunkt erreicht. Und Kontrovers zeigt: Es suchen sogar mehr Menschen einen Job, als die Statistik auf den ersten Blick zeigt. In einer bestimmten Branche wird jedoch zunehmend Personal gesucht.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

In Bayern suchen 310.000 Menschen einen Job – so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Manfred Völkel ist einer von ihnen. Der 61-Jährige aus Henfenfeld sucht seit neun Monaten eine Arbeit. 45 Jahre lang war er als Lackierer beschäftigt.

"Du arbeitest so lange im Geschäft, du hast jetzt da noch fünf Jahre, du bereitest dich langsam vor auf deine Rente, alles geht so seinen Gang. Und dann macht es schnipp – und du bist raus." Manfred Völkl, arbeitssuchend

Völkl ist bei der Transfergesellschaft "MyPagasus GPQ" in Nürnberg untergekommen. Projektleiterin Elke Dobner schlägt ihm vor, weitere Zusatzqualifikationen zu erwerben, um vielleicht als Ausbilder zu arbeiten. Doch der Arbeitsmarkt scheint aussichtslos für ihn.

Aiwanger: "Ja, der Arbeitsmarkt wird schwieriger"

Elke Dobner geht nicht davon aus, dass der Tiefpunkt bereits erreicht ist. Regelmäßig bekommt sie mit, dass größere Firmen in der Umgebung weitere hohe Abbauzahlen planen.

"Die Einzigen, die noch einstellen, sind die Rüstungsbetriebe. Also was man jetzt wirklich deutlich erkennen kann: Alles was in die Richtung geht, nimmt zu. Aber einen Automobilzulieferer, der einstellt, werden Sie in Bayern nahezu nicht finden." Elke Dobner, Projektleiterin "MyPegasus GPQ"

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) beschönigt nichts. Im Kontrovers-Interview sagt er: "Ja, der Arbeitsmarkt wird schwieriger." Während in einigen Branchen Menschen gesucht würden, "ist die Zahl derer, die andere Jobs suchen, zu viel." Bayern fördere Handwerk und Ausbildungen und setze auf neue Arbeitsplätze, "weil wir immer mehr die Wettbewerbsfähigkeit verlieren in den traditionellen Branchen", sagt Aiwanger. "Aber das reicht natürlich nicht, um das aufzufangen, was bei Chemie, Autozulieferern und so weiter wegbricht."

Lackierer Manfred Völkl, seit einem Dreivierteljahr auf Arbeitssuche, wird noch drei Monate lang von der Transfergesellschaft betreut. Sollte er in dieser Zeit keinen Job finden, wird es für ihn noch schwieriger.

Arbeitssuchende in Transfergesellschaften tauchen nicht in Statistik auf

Christian Engelhardt aus Kronach in Oberfranken ist gelernter Metallbauer. Mit seinen 39 Jahren stünde der Familienvater gerne mit beiden Beinen im Berufsleben. Stattdessen liest er Job-Annoncen. Im BR-Politikmagazin Kontrovers erzählt er, wie schwer es wirklich ist. Bis April vergangenen Jahres arbeitete Engelhardt als Projektleiter bei einem Automobilzulieferer – jetzt ist er auf der Suche.

Doch in der Arbeitslosenstatistik taucht er nicht auf. Seit der Schließung seines Betriebs wurde die Belegschaft von einer Transfergesellschaft aufgenommen. Damit gilt Engelhardt offiziell nicht als arbeitslos, sondern als arbeitssuchend.

Zahl der Arbeitssuchenden steigt – aber immer weniger freie Stellen

Laut Bundesagentur für Arbeit gab es 2025 in Bayern im Jahresdurchschnitt knapp 315.000 Arbeitslose – so viele wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Würde die Statistik auch die als arbeitssuchend Gemeldeten einschließen, wären es 522.000 Menschen.

Während die Zahl der Arbeitslosen auf ein Rekordniveau steigt, nimmt die Zahl der freien Stellen im Freistaat immer mehr ab: In Bayern ist sie 2025 auf 107.000 gesunken, das sind zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Transfergesellschaften: Mehr Geld, mehr Zeit

Transfergesellschaften sollen Kündigungen bei großen Arbeitgebern sozialverträglicher gestalten. Angestellte erhalten Fortbildungen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern. Die Bundesagentur für Arbeit fördert diese Gesellschaften. Für Christian Engelhardt bedeutet das: Geld und mehr Zeit. Er erhält sowohl Kurzarbeitergeld als auch Geld von seiner ehemaligen Firma – insgesamt etwa 80 Prozent statt normalerweise rund 67 Prozent des vorherigen Gehalts.

Außerdem hat er ein Jahr zusätzlich für die Stellensuche gewonnen. "Ich möchte nichts überstürzen, weil ich habe jetzt noch 20 bis 25 Jahre vor mir", sagt Engelhardt. Die Kronacher erzählen Kontrovers, dass viele ansässige Firmen ins Ausland gingen und billigere Arbeitskräfte suchten, besonders in der Industrie.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) macht im Kontrovers-Interview klar: "Wir brauchen die Vermittlung in neue Arbeitsplätze" – auch wenn das in vielen Fällen ein Lohnminus bedeuten würde – "aber wir werden in vielen Fällen diese Wege gehen müssen".

Im Video: Kontrovers-Interview mit Aiwanger zur Arbeitsmarktlage

Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Kontrovers-Interview
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Hubert Aiwanger (Freie Wähler) im Kontrovers-Interview

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