Hilfsorganisationen berichten, dass an den Weihnachtsfeiertagen immer mehr Menschen an Einsamkeit leiden. In Bayern reagieren Vereine, Kirchen und Sozialträger deshalb mit offenen Feiern, gemeinsamen Essen und Treffpunkten, damit niemand Heiligabend und die Feiertage allein verbringen muss. Viele Angebote werden durch Ehrenamtliche und Spenden möglich.
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Ostbayern: CVJM-Weihnachtsfeier für Einsame und Bedürftige
Der "Christliche Verein junger Menschen" (CVJM) Amberg feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen mit einer Weihnachtsfeier für Menschen, die Heiligabend sonst allein verbringen würden. Laut Geschäftsführer Christian Glaßer kommen dafür am 24. Dezember immer um die 120 Gäste. Das Publikum habe sich verändert, erzählt er: Anfangs seien vor allem Obdachlose oder Reisende gekommen, heute träfen sich dort "vom Studenten bis zum Wohnsitzlosen" Menschen aus allen Generationen und sozialen Hintergründen.
Die Feier beginnt um 15 Uhr mit Kaffee, Kuchen und Plätzchen, später folgen Programm und gegen 18 Uhr eine Verlosung mit gespendeten Geschenken. Zum Abschluss gibt es Kartoffelsalat und Leberkäse sowie eine "Tüte der guten Dinge" mit Grundnahrungsmitteln.
Unterfranken: Feiern von Aschaffenburg bis Würzburg
In Unterfranken gibt es rund um Heiligabend mehrere Angebote für Menschen, die nicht allein feiern möchten. In Aschaffenburg lädt das Martinushaus am 24. Dezember bedürftige und einsame Menschen ein, mehr als 300 Gäste bekommen dort ein Weihnachtsessen und ein kleines Geschenk. In Kitzingen öffnet die St.-Vinzenz-Gemeinde an Heiligabend von 19 bis 21 Uhr das Stadtteilzentrum. Eingeladen sind alleinstehende Menschen, beim gemeinsamen Essen und Singen sind aber auch Familien und Ehepaare willkommen.
Auch Schweinfurt und Würzburg setzen auf feste Treffpunkte: In Schweinfurt findet am 24. von 14 bis 16 Uhr eine Weihnachtsfeier für Alleinstehende und Bedürftige in der Stadthalle statt, dafür sind Anmeldung und Nachweis nötig. In Würzburg lädt der Caritasverband am Weihnachtstag ab 14 Uhr ins Matthias-Ehrenfried-Haus ein, ebenfalls mit Anmeldung. Am 25. folgt das Weihnachtsmahl für Bedürftige der Gemeinschaft Sant'Egidio an mehreren Orten, unter anderem in der Marienkapelle. Auch hier ist eine Anmeldung erforderlich.
München: Weihnachtsgottesdienst am Hauptbahnhof
Am Münchner Hauptbahnhof lädt die Bahnhofsmission an Heiligabend zum ökumenischen Weihnachtsgottesdienst. Beginn ist um 16 Uhr an Gleis 11, das Weihnachtsevangelium wird in mehreren Sprachen vorgetragen und musikalisch begleitet. Im Anschluss gibt es eine Feier für Menschen ohne Zuhause.
Etwa 600 Menschen ohne eigenen Wohnraum feiern am 24. Dezember ab 18 Uhr gemeinsam im Münchner Hofbräuhaus, eingeladen vom katholischen Männerfürsorgeverein. Die Veranstaltung findet bereits zum 75. Mal statt. Es gibt Live-Musik von "The Holly Rocks", ein Weihnachtsessen – Ochsenfleischpflanzerl mit Kartoffelpüree und Gemüse – und Geschenke, mit dabei ist auch Kardinal Reinhard Marx.
"Rosenheimer Leibspeise" kocht an Heiligabend
In Rosenheim kocht die "Rosenheimer Leibspeise" jedes Jahr an Heiligabend für Bedürftige und für Menschen, die sonst allein zu Hause wären. Rund 80 Gäste kommen im Pfarrzentrum Heilig Blut zusammen. Start ist um 17 Uhr mit "Platzerl" und Punsch, später gibt es ein weihnachtliches Buffet - "kostenlos", betont Initiator und Vorstand Peter Kaiser. Nach dem Essen werden auch Spiele angeboten.
Allgäu: Einsamen-Weihnacht in Blaichach
Damit rund 200 Menschen aus dem Allgäu Weihnachten nicht allein verbringen müssen, sind im Oberallgäu an Heiligabend ab 18 Uhr rund 25 Ehrenamtliche im Einsatz. Sie helfen bei der Einsamen-Weihnacht in Blaichach, die bereits zum zwölften Mal stattfindet. Dafür werden die Menschen abgeholt und mit einem Drei-Gänge-Menü bewirtet. Die Hoffnung von Organisator Jürgen Metzler: Dass die Gäste dort auch neue Bekanntschaften schließen. Nach dem Essen gibt’s Livemusik und eine kleine Bescherung, die Geschenke stammen aus einer Spendensammlung.
Feiertage: Herausforderung für Menschen mit Alkoholproblemen
Gerade für Menschen mit Alkoholproblemen seien die kommenden Tage eine besondere Herausforderung, sagt ein Sprecher der Anonymen Alkoholiker (AA). In der Gruppe würden sie aufgefangen. Deswegen bieten die Kontaktstellen der AA Sonderöffnungszeiten an.
In München zum Beispiel sei an Heiligabend bis 23 Uhr geöffnet, an den Weihnachtsfeiertagen bis 22 Uhr sowie an Silvester bis 1 Uhr. "Dort können Betroffene alkoholfrei ins neue Jahr feiern." In den regionalen AA-Gruppen sowie auf der Homepage erfahren Interessierte, wann und wo Treffen angeboten werden.
Mit Informationen der dpa
Im Audio: Der CVJM Amberg feiert das 60-jährige Jubiläum seiner Weihnachtsfeier für Menschen, die Heiligabend sonst allein wären.
Eine Frau schaut nachdenklich aus dem weihnachtlichen Wohnzimmer durchs Fenster, sie ist alleine.
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