Tropfbewässerung für Karotten bei Oberpleichfeld (Lkr. Würzburg)
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Wegen trockener Sommer setzen Landwirte in der Bergtheimer Mulde schon jetzt auf sparsamen Anbau. Im Bild: eine Tropfbewässerung für Karotten.
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Wegen trockener Sommer setzen Landwirte in der Bergtheimer Mulde schon jetzt auf sparsamen Anbau. Im Bild: eine Tropfbewässerung für Karotten.

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Idee gegen Trockenheit: Pipeline aus dem Main für 70 Millionen

Idee gegen Trockenheit: Pipeline aus dem Main für 70 Millionen

Trockene Sommer, wenig Wasser: Im nordöstlichen Landkreis Würzburg überlegen Landwirte und Kommunalpolitiker, wie sie ihre Gemüsefelder langfristig bewässern können. Eine Idee: eine Pipeline vom Main bis zu den Anbauflächen für 70 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Die Bergtheimer Mulde im nordöstlichen Landkreis Würzburg: Die Region ist eines der fruchtbarsten Anbaugebiete in ganz Bayern – und eines der größten Anbaugebiete für Bio-Gemüse im Freistaat. Auf über 900 Hektar bauen landwirtschaftliche Betriebe hier vor allem Karotten, Kohl und anderes Feldgemüse an. Der Lössboden ist ideal dafür. Doch die Bergtheimer Mulde ist gleichzeitig eine der Regionen in Deutschland, in denen es am wenigsten regnet – vor allem im Sommer-Halbjahr.

Bergtheimer Mulde: Studie zu Bewässerung beauftragt

Wie lässt sich dieses Problem lösen? Dazu haben die Gemeinden aus dem nordöstlichen Landkreis Würzburg, das Landratsamt, die Betriebe und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine Studie auf den Weg gebracht. Sie soll zeigen, wie die Felder auch in Zukunft ausreichend Wasser erhalten könnten. Über vier Jahre sind seitdem vergangen. Nun haben die Verantwortlichen die Studie vorgestellt. Es handle sich um "erste Ergebnisse", ein "Arbeitspapier", heißt es.

Landwirtschaft: Main-Wasser als Alternative für Grundwasser

In der Bergtheimer Mulde nutzen bislang viele Landwirte Grundwasser, um ihre Felder zu bewässern. Sie haben Brunnen gegraben, Leitungen verlegt. Durch die Trockenheit in Franken schaut das Wasserwirtschaftsamt inzwischen aber genau hin, was Wasserentnahmen angeht. Seit 2016 erlauben die Behörden keine neuen Großentnahmen in der Bergtheimer Mulde. Die Landwirte suchen Alternativen zum Grundwasser. Deshalb die Studie. In dieser ging es auch um eine Idee, die schon lange diskutiert wird: eine Wasser-Leitung vom Main bis zu den Feldern, eine Art Pipeline.

Millionenkosten für Main-Wasser-Leitung

Der Main liegt nur wenige Kilometer von den Anbauflächen entfernt. Ein Ingenieurbüro hat für die Studie mehrere Optionen berechnet, wie so eine Leitung aussehen könnte. Kosten für die günstige Variante: rund 70 Millionen Euro. Bei dieser Variante würde der Wasserbedarf für den Gemüseanbau zu 100 Prozent aus dem Main gedeckt werden. Die Kosten fallen an für: Pumpwerk, Aufbereitungsanlage, Speicherbecken, mehrere Kilometer Leitungen, Grundstücke.

Oberflächenwasser reicht nicht aus

Für die Studie haben die Ingenieure auch untersucht, ob es möglich wäre, den Wasserbedarf auf anderem Weg zu decken – zum Beispiel durch sogenannte Oberflächenabflüsse in Industriegebieten. Diese könnten pro Jahr jedoch nur die Hälfte der benötigten Menge bedienen, so die Studie. Vorgestellt haben sie nun ausschließlich Bewässerungskonzepte, die eine Leitung zum Main beinhalten.

Per Pipeline: Wasser vom Altmain in den Landkreis Würzburg

Den Plänen zufolge soll das Wasser dort zwischen Oktober und März entnommen werden – an Hochwassertagen. Die Ingenieure empfehlen, das Pumpwerk am Altmain bei Escherndorf im Landkreis Kitzingen zu platzieren. Nach Behördenangaben liegt der durchschnittliche Winterabfluss dort bei mehr als 14 Millionen Kubikmeter pro Tag. Die benötigte Wassermenge wirke sich demnach nicht auf die Gewässerökologie aus. Zum Vergleich: Laut Studie benötigen die Landwirte etwa 1,1 Millionen Kubikmeter – pro Jahr.

Noch keine Entscheidung, Finanzierung unklar

Ob und wie sich die Leitung finanzieren lässt? Das hat die Studie nicht analysiert. Bei der Vorstellung betonen Vertreter des Landratsamtes und der betroffenen Gemeinden: Über die Finanzierung wollen sie sich in einem nächsten Schritt Gedanken machen – sofern sich die Pläne konkretisieren.

Längst aber ist die Idee im Landkreis Würzburg zu einem politischen Thema geworden. Es geht um Folgekosten des Klimawandels, aber auch um Versorgungssicherheit. Landrat Thomas Eberth (CSU) bringt neben höheren Gemüsepreisen eine mögliche Förderung des Freistaats ins Spiel und ergänzt: "Tatsächlich ist es noch zu früh, um beurteilen zu können, ob der Freistaat Bayern den Geldbeutel und die Fördermittel aufmacht." Ähnlich äußert sich Sven Winzenhörlein (Grüne), Herausforderer in der Stichwahl am Sonntag: "Sicherlich wäre das nicht nur von der öffentlichen Hand finanzierbar."

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