Menschen auf einer Straße im Gazastreifen, im Vordergrund Zwiebeln, Kräuter und Tomaten auf einem Marktstand, im Hintergrund teilweise zerstörte Häuser. Die Lebensmittelversorgung im Gazastreifen hat sich verbessert. Die Lage bleibe aber kritisch, so Beobachter.
Menschen auf einer Straße im Gazastreifen, im Vordergrund Zwiebeln, Kräuter und Tomaten auf einem Marktstand, im Hintergrund teilweise zerstörte Häuser. Die Lebensmittelversorgung im Gazastreifen hat sich verbessert. Die Lage bleibe aber kritisch, so Beobachter.
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Gazastreifen: Hungersnot offiziell beendet – Lage aber kritisch

Gazastreifen: Hungersnot offiziell beendet – Lage aber kritisch

Die Lebensmittelversorgung im Gazastreifen hat sich verbessert. Der Beobachter-Initiative IPC zufolge herrscht keine Hungersnot mehr - die Lage bleibe aber kritisch. Auch Hilfsorganisationen sehen das so. Israel weist den Bericht zurück.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Im August wurde für Teile des Gazastreifens offiziell eine Hungersnot erklärt. Davon ist der Küstenstreifen aus Sicht von Fachleuten inzwischen nicht mehr betroffen. Doch trotz des Friedensplanes und der verstärkten Hilfslieferungen bleibe die Lage kritisch, hieß es von der IPC-Initiative (Integrated Food Security Phase Classification), die Nahrungskrisen in aller Welt beobachtet. Israel wies den Bericht zurück.

Von einer Hungersnot ‍wird gesprochen, wenn mindestens 20 Prozent der Bevölkerung unter ​extremer Nahrungsmittelknappheit leiden, jedes dritte ​Kind akut unterernährt ist und täglich zwei von 10.000 Menschen an Hunger oder den Folgen von Mangelernährung sterben.

Bevölkerung weiter stark von akuter Mangelernährung betroffen

Die Lage sei wegen des im Oktober in Kraft getretenen Friedensplanes besser als zuvor, hieß es von der Initiative. Der bewaffnete Konflikt sei stark zurückgegangen. Die Versorgung mit humanitären und kommerziellen Nahrungsmittel-Lieferungen habe sich verbessert. Dennoch sei die Bevölkerung stark von akuter Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit betroffen. Obwohl keine Hungersnot mehr klassifiziert wird, leiden dem IPC-Bericht zufolge immer noch mehr als 100.000 Menschen unter katastrophalen Bedingungen, die als extremer Nahrungsmangel mit deutlich erhöhtem Risiko für akute Unterernährung und Tod beschrieben ⁠werden.

Die Beobachtungsstelle warnte ​zugleich vor der Gefahr eines Rückschlags. Bei einer Wiederaufnahme der Kämpfe und einem Stopp der Hilfslieferungen könnte im ‌schlimmsten Fall der gesamte Gazastreifen ‌bis Mitte April 2026 von einer Hungersnot bedroht sein.

Welternährungsprogramm: Anzeichen einer Verbesserung

Auch der Leiter des Welternährungsprogramms (WFP) in der Region, Antoine Renard, sprach von Anzeichen einer Verbesserung. "Dass der größte Teil der Bevölkerung zwei Mahlzeiten ‌am Tag zu sich nehmen kann, ist ein klares Zeichen dafür, dass ​wir eine leichte Trendwende erleben", sagte er. Es sei jedoch ein "ständiger Kampf", einen reibungslosen Zugang für Hilfslieferungen sicherzustellen.

Aktion gegen Hunger: Hunger weiter "allgegenwärtig"

Auch die deutsche Hilfsorganisation "Aktion gegen den Hunger" beklagte, dass der Hunger "allgegenwärtig" bleibe. "75 Prozent der Bevölkerung leiden unter akutem Hunger, der Rest kämpft mit chronischer Nahrungsmittelknappheit", erklärte die Organisation. Zerstörtes Ackerland und hohe Preise erschwerten die Versorgung. "Eine Schachtel Eier kostet bis zu 26 Euro, während 80 Prozent der Familien ihre Haupteinnahmequelle verloren haben", hieß es. Berichten zufolge verschlimmern extreme Wetterbedingungen (Link zu tagesschau.de) die Situation, viele Menschen leben noch immer in Zelten.

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) erklärte ungeachtet des IPC-Berichts: "Die israelische Regierung muss viel mehr Hilfslieferungen zulassen. Weitere Unterstützung von uns steht bereit. Sie muss die Menschen jetzt erreichen."

Israel weist Ergebnisse zurück

Die israelische Militärbehörde Cogat, die für die Koordinierung der Hilfslieferungen zuständig ist, wies den IPC-Bericht entschieden zurück. Die Behörde halte sich an die Waffenruhe und lasse die vereinbarte Hilfsmenge in den Gazastreifen gelangen. Die Mengen überstiegen den Nährstoffbedarf der Bevölkerung im Gazastreifen gemäß anerkannten internationalen Standards. Auch das israelische Außenministerium wies die Ergebnisse zurück. Israel kontrolliert den Zugang zum Gazastreifen. ⁠Hilfsorganisationen haben Israel ‍wiederholt vorgeworfen, die Einfuhr notwendiger Güter zu blockieren, was die Regierung in ‍Jerusalem zurückweist.

Waffenruhe seit Oktober

Im Oktober war eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas in Kraft getreten. Seitdem wurden die Beschränkungen für Hilfslieferungen gelockert, nach UN-Angaben treffen Hilfsgüter aber weiter nicht in ausreichendem Maß ein.

Am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der Hamas und verbündeter Milizen Israel überfallen. Mehr als 1.200 Menschen wurden getötet, etwa 250 weitere Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. In dem anschließenden Krieg wurden nach Hamas-Angaben im Gazastreifen mehr als 70.100 Menschen getötet. Große Teile des Gazastreifens sind zerstört.

Mit Informationen von dpa, Reuters, AFP und AP

Zum Audio: Satellitenbilder von Sentinel-1 zeigen Ausmaß von Kriegsschäden

Fast ein Viertel aller Gebäude in Mariupol, Ukraine, sind durch die russische Belagerung zerstört worden (orange eingefärbt). Das belegt eine neue Methode zur Auswertung von Bildern der ESA Satelliten Sentinel-1.
Bildrechte: Racek et al. (2025) / Creative Commons Licence CC BY 4.0
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Die Bilder der ESA-Satelliten Sentinel-1 zeigen Mariupol nach der Belagerung durch die russische Armee. Orange markierte Gebäude sind zerstört.

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